Finger Lakes Area – Gourmet Country

Dass wir im Urlaub auch die regionale Küche ausgiebig erkunden und genießen wollen, habe ich schon in mehreren Artikeln deutlich gemacht. Und es lohnt sich! Jedes Land, jede Region hat ihren eigenen Character. Und so auch die Küche. Das auch in den U.S.A die Küche über Burger, Hot Dogs und Chicken Wings hinaus leckere Dinge zu bieten hat, haben wir nicht zuletzt durch unsere Freunde gelernt.

Schon einige kurze Aufenthalte haben unser Interesse für die Angebote geweckt, die in New York den Gaumen verwöhnen. Angefangen hat es 2014, als wir zum ersten Mal die Niagarafälle besuchen.

Wir haben zwar nicht viel Zeit, aber die zahlreichen Schilder zu Weingütern weckt unsere Neugier und wir besuchen die Long Acre Farm, die mit einem großen Spielplatz für die Kinder interessant ist. Auf dem Gelände ist auch der “Tasting Room” der JD Wine Cellars, den wir ohne Kinder erkunden. Und wirklich, wir bekommen ausgezeichnete Weine serviert. Drei Flaschen nehmen wir mit, die wir später mit unseren Freunden in Dallas leeren.
Und wir stellen fest: New York gefällt uns!

Das nächste Mal (2015) bleiben wir auf dem Rückweg nach New York City noch ein paar Tage in den Catskill Mountains. Dort sind wir in Hobart auf einer kleinen Hühnerfarm zu Gast.
Rundherum erkunden wir Bauernmärkte und die Angebote der lokalen Farmer.

2017 sind wir ein paar Tage in der Region der Finger Lakes. Und nicht nur die faszinierende Landschaft, sondern auch die Vielfalt Angebote auf den Bauernmärkten gefallen uns. Plötzlich ist die Zeit zu kurz. Wir entscheiden: hier wollen wir wieder hin!

Und das setzen wir um. 2018 sind wir eine Woche in Ovid, in unmittelbarer Nähe zum Seneca See und zur anderen Seite nicht weit zum Cayuga See. Wir lieben das Landleben, die Ursprünglichkeit, die Ruhe, die die Landschaft und die dort lebenden Menschen ausstrahlen. Wenn überhaupt Tourismus spürbar ist, dann amerikanischer und weit weniger intensiv.

Farmgebäude in der Finger Lakes Area am Highway 96a
Farmgebäude in der Finger Lakes Area am Highway 96a

Auf geht es!

Wir kommen am Flughafen JFK an und relativ zügig durch die Einwanderungsbehörde, den Zoll und die Autovermietung. Wir können uns freuen, der bestellte SUV ist nicht verfügbar und wir “müssen” anstatt dessen eine Nummer größer nehmen. Und das ist auch noch unser Lieblings-SUV, einen Nissan Pathfinder! So fängt der Urlaub erstmal gut an.

Übel wird es dann zunächst auf dem Weg nach Scranton, Pennsylvania. Wir stehen sehr schnell im Stau. Lange. Verlieren ungefähr drei Stunden, in denen wir uns im Gewitterregen durch New York City quälen. Als wir endlich den Hudson River auf der George Washington Bridge kreuzen, ist es vorbei. Der Rest der Strecke geht zügig, es sind noch 120 Meilen bis zum Hotel.

Und an diesem Abend vereinen sich noch die Kulturen. Auf der Suche nach einem Platz zum Essen finden wir an einer Ecke einen irischen Pub, den wir spontan zum Ziel erklären, weil wir keine Lust mehr haben, noch länger etwas zu suchen.

Kildare´s Irish Pub in Scranton, Pennsylvania, im Abendlicht gegenüber dem Hotel
Kildare´s Irish Pub in Scranton, Pennsylvania

Die Karte ist natürlich Burger- und Sandwich-lastig, aber am ersten Abend in den USA darf das sein. Dazu geht auch ein irisches Bier in Ordnung.

Der Jetlag treibt uns am nächsten Morgen schon früh aus dem Bett und wir haben nur noch knappe 130 Meilen vor uns. Wir lassen uns also Zeit und halten an der nächsten Attraktion am Ort an: der Steamtown National Historic Site.
Es ist ein wunderbares Eisenbahnmuseum, das vieles auf anschauliche Weise über die amerikanische Eisenbahngeschichte erzählt. Sogar eine aufgeschnittene Dampflok wird dort ausgestellt, die einen Blick in das Innere erlaubt und ein besseres Verständnis für die Funktionsweise der Maschine ermöglicht. Der Eintritt ist übrigens kostenlos.

Dampflok auf der Steamtown National Historic Site in Scranton, Pennsylvania
Steamtown National Historic Site in Scranton, Pennsylvania

Dann haben wir nur noch ein paar Meilen vor uns. In Ithaca am südlichen Ende des Lake Cayuga halten wir zum Mittagessen an und lösen unsere ersten Restaurantgutscheine ein. Bei Fat Jack´s sind wir im Jahr zuvor schon und es ist ganz gut dort. Und noch besser, wenn man Gutscheine hat.

Fat Jack´s BBQ in Ithaca, NY
Fat Jack´s BBQ in Ithaca, NY

Von hier aus ist es nun wirklich nicht mehr weit. Ungefähr 40 Minuten Autofahrt, dann erreichen wir unser Ziel: ein einfaches Haus in Ovid, zwischen Lake Seneca und Lake Cayuga. Na ja, es ist nicht direkt in Ovid, sondern schon wieder ein paar Meilen außerhalb mitten in der Landschaft. Aber genau so, wie wir es uns vorstellen.
Auch Amish sind hier zuhause. Wir haben sogar welche als Nachbarn.

Unser kleines Haus in Ovid, NY, mitten in der Landschaft
Unser kleines Haus in Ovid

Ovid, NY – in the middle of “nichts”

Ovid, NY, ist nun unsere “Basis” für Entdeckertouren in den nächsten acht Tagen. Nicht nur die landschaftlichen Reize, sondern auch Bauernmärkte, Hofläden, Amish Food Stores und Weinkellereien wollen wir erkunden.

Eine Hitzewelle liegt über dem Land. Ungewöhnlich intensiv. Die Frische, die sonst der Wind der Großen Seen bringt, fehlen. Also fahren wir häufig sehr früh los, wenn die Temperaturen noch einigermaßen angenehm sind. Warm eben und noch nicht heiß.

Auf dem Weg zwischen Ithaca und Ovid ist uns gleich die Indian Creek Farm aufgefallen. Das Schild verlockt förmlich zum Anhalten am Verkaufsstand. Und natürlich wollen wir frische Früchte selbst ernten. Gerade noch gibt es Erdbeeren, und auch die Himbeeren sind reif.

Einladung zum Anhalten und Einkaufen an der Indian Creek Farm, Ithaca, NY
Einladung zum Anhalten an der Indian Creek Farm, Ithaca

Morgens fahren wir hin, um selbst zu pflücken. Um 10 Uhr ist es schon fast zu heiß, aber die Erdbeeren und Himbeeren rufen ganz laut. Also schwitzen wir ein bisschen und wandern in die Felder.

Indian Creek Farm - self picking
Indian Creek Farm – self picking

Wir pflücken Erdbeeren, deren Saison fast zu Ende ist und Himbeeren. Ein himmlischer Nachtisch für später!

Shopping

Tja, und dann kommen die herrlichen Bauernmärkte. Der größte und bekannteste in der Region findet in Ithaca statt. Die hallenartige Überdachung der Stände sorgen für ein ganz spezielles Ambiente. Und der Markt liegt sehr schön am Stadtrand, unmittelbar am Ufer des Cayuga Inlet.

Überdachter Famers Market in Ithaca, direkt am Cayuga Inlet
Farmers Market in Ithaca, NY

Es gibt wie so oft auf solchen Märkten vielfältige regionale Produkte, auch zum Probieren. Wir kaufen unter anderem Büffelfleisch-Patties, um unsere Burger zuhause selbst zu machen. Weitere Zutaten, wie frischer Salat und Schafskäse, kommen hinzu. Dazu backe ich später auch die Buns selber.
(Das verwendete Rezept findest Du hier: brotbackliebeundmehr.com)
In der Cayuga Lake Creamery am Cayuga Lake Scenic Byway finden wir neben leckerer amerikanischer Eiskrem auch noch die richtige Steaksauce: Chef Lerman´s “Finger Lakes Black-Strap Yankee Bar-B-Q” aus Penn Yan, NY.
So wird es ein Traum von Burger, der uns bereits bei der Besorgung der Zutaten viel Spaß macht und zudem so lecker ist wie in einem guten Restaurant.

homemade buffalo burger mit Lerman´s Staeksauce aus Penn Yan
homemade buffalo burger

Ein weiterer Bauernmarkt in unserer Nähe findet in der Kleinstadt Trumansburg statt. Das Hinweisschild haben wir öfter auf der Durchfahrt gesehen und wir wollen uns diese Veranstaltung nicht entgehen lassen. Auch heftiger Regen kann weder uns noch andere Besucher abhalten.

Stände des kleinen Farmers Market in Trumansburg, NY
Farmers Market in Trumansburg, NY

Neben Käse und Wein aus der Region bietet ein Stand Juneberries an. Diese sehen aus wie Heidelbeeren und wir kaufen ein Körbchen zum Probieren. Lecker! Wir entscheiden uns, die Juneberry Farm in Willard, unserem Nachbardorf, zu besuchen und selbst zu pflücken. Wieder eine gute und richtige Entscheidung.

Juneberry Plantage in Willard, NY
Juneberries – Felsenbirnen

Zunächst gehen wir in die Felder, um Beeren zu pflücken. Anschließend kommen wir aber mit Guy Lister, dem Besitzer, noch eine Weile ins Gespräch. Er ist Engländer, der in jungen Jahren viel herumgekommen ist und in der Welt viel gesehen hat. Nun hat er sich hier niedergelassen, “mitten im nicht viel drum herum”, betreibt seine Farm und bietet Unterkünfte an. Seine neueste Errungenschaft ist ein Baumzelt, dass er uns stolz zeigt.

Versorgungsfahrt für das Baumzelt im Wald von Willlard, NY
Versorgungsfahrt für das Baumzelt

Guy erzählt uns nebenbei von weiteren Träumen, touristische Attraktionen auf seinem riesigen Grundstück zu errichten.
Sein freundliches Angebot, seine Kanus zu benutzen, um auf dem Lake Seneca zu paddeln, müssen wir leider ausschlagen. Das Wetter schlägt um und uns wird die Zeit sowieso schon wieder knapp. Echt schade. Aber am Tag, an dem wir fahren, bringen wir ihm noch eine Packung deutschen Kaffee vorbei. Weil er ein lieber Kerl ist.

Essen gehen

Ganz bestimmte Produkte begegnen uns hier an nahezu jeder Ecke: Wein und Apple Cider. Deshalb besuchen wir das Finger Lakes Apple Cider House in der Nähe von Interlaken (NY!). Wir wollen wissen, wie hier der Cider schmeckt, vor allem, weil es so viele unterschiedliche Sorten gibt. Neben einer Anzahl Probiergläser bestellen wir eine gemischte Platte “Cheese and Charcuterie” mit regionalen und selbst hergestellten Produkten. So erfahren wir hier, wie Bacon Onion Jam schmecken kann – nämlich sehr lecker! Dazu wird ein ausgezeichnetes Brot serviert, von dem wir einen Nachschlag brauchen. Der Cider wandert von sehr trocken nach, o.k., ja, süß kann man sagen. Wir werden lieber beim Wein bleiben. Aber die Atmosphäre war toll. Hierher kommen die New Yorker zum chillen, dass merkt man. Völlig entspannt, das ganze.

Ja, Wein. Fährt man am Lake Cayuga oder Lake Seneca entlang, begegnet uns gefühlt jede Meile ein anderes Weingut. Kein Wunder, dass hier Bustouren angeboten werden, um sich ohne fahren zu müssen, den Tasting Rooms ausführlich widmen zu können.

Wir halten drei Mal, zwei sind spontane Entscheidungen auf der Strecke, die andere, Goose Watch Winery, haben wir uns vorher ausgesucht.

Tasting Room am Lake Cayuga, Goose Watch Winery - Romulus, NY
Goose Watch Winery – Romulus, NY

Hier gefällt es uns nicht so gut. Der Wein trifft nicht unseren Geschmack und die Bedienung ist mit den Gästen an der vollbesetzten Theke überfordert.

Unser persönlicher Tipp: Die Varick Winery, auch an der US 89, die unmittelbar am Lake Cayuha entlang führt. Ein geschmackvoller, fast europäisch anmutender Wein, frisch, nicht zu elegant. Zu jedem Glas wurden uns kleine Snacks gereicht und die Unterhaltung mit der Bedienung war sehr anregend.
Auch der dritte, spontane Stopp war interessant: die Hosmer Winery. Der Wein gefiel uns und wir konnten sogar ein paar nette Worte in Deutsch wechseln.

Auf unseren Fahrten kommen wir häufiger durch Trumansburg. Auf Tripadvisor wird eine Pizzeria hochgelobt und die testen wir natürlich auch.

New York Pizza - Main Street Trumansburg, NY
New York Pizza – Main Street Trumansburg, NY

Das Geschäft ist so unscheinbar, dass wir bisher immer daran vorbeifahren, ohne es zu erkennen. Erst der genaue, suchende Blick fällt auf das Schild. Im eigentlichen Sinne ist es auch kein Restaurant, sondern ein Take-Out mit Sitzplätzen. Die Pizza wird auf Papptellern serviert.

New York Pizza - in einer amerikanischen Kleinstadt
New York Pizza – in einer amerikanischen Kleinstadt

Aber sie schmeckt uns ebenso wie den Besuchern, die die guten Bewertungen bisher abgegeben haben. Grund für uns, auch ein zweites Mal hier zu essen, als wir unterwegs sind. Es ist das amerikanische Kleinstadtidyll, die Schlichtheit, die uns so wohltut. Hier haben es die Menschen nicht eilig.
An solchen Orten sind wir viel lieber, als in großen Metropolregionen oder bei touristischen Attraktionen, die die Welt meint, gesehen haben zu müssen. Nicht, dass wir diese deshalb auslassen, aber es es reicht eine kurze Zeit.

Zum Schluss doch noch ein Regentag, den wir nutzen, Richtung Norden entlang des Lake Cayuga zu erkunden. Wir wollen nach Seneca Falls. Dort gibt es einen großen Supermarkt, Sauder´s, der von Mennoniten betrieben wird. Den schauen wir uns an, denn diese Art kennen wir bisher nur aus Pennsylvania.

mennonitisch geführt: Sauders Country Store in Seneca Falls, NY
Sauders Country Store in Seneca Falls, NY

Es ist ein vergleichsweise riesiger Supermarkt, der aber genau das Sortiment in Hülle und Fülle bietet, dass die strenggläubigen Mennoniten und Amish verwenden. Und es herrscht eine besondere, stressfreie, freundliche Atmosphäre, der völlige Gegensatz zum Walmart oder ähnlichen Märkten.

Sauders Country Store in Seneca Falls, NY- eine wohltuende Atmosphäre zum Einkaufen
Sauders Country Store – eine wohltuende Atmosphäre zum Einkaufen

Während wir eintreffen, reißt der Himmel nach heftigem Regenschauer schon wieder auf. Einiges kaufen wir noch ein und dann können wir uns im angegliederten Imbiss ein hausgemachtes Eis. Sehr lecker und eine wirklich riesige Portion. Und echt günstig!

Es geht weiter

Acht Tage hier in upstate New York gehen wieder viel zu schnell zu Ende. Noch nicht alles gesehen, nicht alles besucht, was wir auf dem Zettel haben. Wunderschöne Landschaften, leckeres Essen, nette Leute, alles zusammen bereichert aber unseren Aufenthalt in Ovid.

Natürlich nehmen wir auch die reizvolle Landschaft wahr, die auf wenigen Meilen so unterschiedlich ist. Nur wenige Minuten in unauffällige Schluchten gewandert, offenbaren sich wunderschöne Wasserfälle. Die State Parks entlang des Lake Seneca und Lake Cayuga bieten Platz zum Entspannen und zum Schwimmen.
Und abends noch draußen im Garten zu sitzen, lesend bis die Sonne untergeht, das ist Urlaub pur.

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