Blick auf den Titisee von der Uferpromenade Titisee
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Aktivurlaub im Schwarzwald

Eigentlich habe ich noch zwei Beiträge unserer letzten Reisen, die fertig werden müssen. Ich entscheide mich aber, zunächst das aktuelle Abenteuer, weil kürzer, einzustellen.

Es ist schon lange mein Traum: wie in alten Zeiten mit dem Fahrrad unterwegs sein und die Welt erkunden. Jetzt lasse ich ihn aufleben, allerdings in einer modernen Version: ich bin mit Wohnwagen und Pedelec auf großer Fahrt. Es wird ein Aktivurlaub!

Als Ziel suche ich mir, angeregt durch verschiedenen Magazinberichte, den Schwarzwald aus. Durch Internetrecherche für eine interessante Kombination aus Landschaft und Campingplatzangebot kommen einige Orte und Plätze in die engere Auswahl. Ich entscheide mich für Camping Bankenhof am Titisee. Und um es gleich vorweg zu sagen: es ist eine gute Wahl! Für meine Art Urlaub der perfekte Ort!

Am Abend der Ankunft, der ein freundliches Telefongespräch mit der Rezeption von unterwegs aus vorausgeht, weil ich nicht pünktlich ankommen werde, lasse ich es mir im Restaurant gut gehen und fühle mich richtig gut. Schon plane ich die erste Tour, zu der ich gleich am nächsten Tag starten will.

Fahrt um den Schluchsee

Die Route ist etwa 39 km lang und dauert etwas mehr als zwei Stunden, Pausen nicht eingerechnet.

Schluchsee im Herbst - Blick nach Nordwesten
Schluchsee – Blick nach Nordwesten

Es herrscht bestes Herbstwetter und es ist eine Genussfahrt durch eine Landschaft, die ich bisher nicht kenne. Sobald man an der Südseite die Staumauer überquert hat, stören keine Autos mehr. Der Weg ist nur für Wanderer und Radfahrer freigegeben. Es herrscht reger Betrieb, kein Wunder bei diesem Wetter!

Wander- und Radweg entlang des Schluchsee
Radeln entlang des Schluchsee

Kurze Zeit später erreiche ich den Unterkrummenhof, ein schöner Gasthof mit Außenterrasse und herrlichem Blick auf den See. Und nur zu Fuß, mit dem Fahrrad oder seltener mit dem Schiff zu erreichen. Hier mache ich Rast bei einem Radler und Flammkuchen.

Vesperstube Unterkrummenhof am Schluchsee
Gasthof Unterkrummenhof am Schluchsee

Auch wenn es schwerfällt, diesen Ort zu verlassen, die Tour geht ja noch weiter, bzw. wieder zurück. Ein Stückchen weiter halte ich noch einmal an einer kleinen Brücke über den Zufluss vom Schluchsee zum Muchenländer Weiher. Offensichtlich ein Platz für Instagrammer, nach einem kurzen Moment der Ruhe herrschte hier hoher Publikumsverkehr mit Mobiltelefon in der Hand.

Blick vom Muchenländer Weiher auf den Schluchsee
Letzter Blick auf den Schluchsee

Auf einer etwas anderen Route auf der anderen Seite der B 500 geht es zurück zum Campingplatz. Es gibt steile Anstiege, die mich in die Höhe bringen und wunderbare Aussichten ermöglichen.

Blick auf Altglashütten mit B 500
Oberhalb der B 500 – Blick auf Altglashütten

Mein Fazit der ersten Erlebnisrunde: der Schwarzwald ist ein tolles Revier für Wanderer und auch für Radfahrer! Mit dem Pedelec darf ich aber ohne unterwegs aufladen zu müssen, nicht mehr als 60 km planen. Dann wird das Kapazitätsende erreicht. Zweimal erreiche ich in dieser Zeit diesen Zustand. Die nächste Fahrt berichtet davon.

Auf dem Bähnle-Radweg

Karte Bähnle-Radweg
62 km, knapp die Hälfte auf dem Bähnle-Radweg

An der Rezeption des Campingplatzes erhalte ich zwei wissenswerte Broschüren, einmal mit Vorschlägen für Wanderwege, zum anderen Routen für Radfahrer. Beide nutze ich, zunächst ist der Bähnle-Radweg dran. Das Wetter ist etwas herbstlicher an diesem Tag: bewölkt und kühler. Es hindert mich aber nicht daran, loszuradeln.

Zunächst geht es nach Titisee-Neustadt, wo die eigentliche Route am Bahnhof beginnt. Schon kurze Zeit später radele ich abseits der Straßen durch das Gutachtal, das an einer Stelle von der Hochbrücke überspannt wird, um der B 31 den Weg zu bahnen.

Die Gutachtalbrücke - B 31 kreuzt Bähnleradweg
Blickfang Gutachtalbrücke – der Bähnle-Radweg führt drunter durch

Der Bähnle-Radweg führt weiter, viel durch die Natur, ohne Verkehrslärm. Das nächste interessante Bauwerk ist das Klausenbach-Viadukt, ein 1906 errichtetes Brückenbauwerk für die Eisenbahn.

Fischbauchbrücke Klausenbachviadukt
Fischbauchbrücke über den Klausenbach

Der Radweg führt über die Brücke. Ich biege kurz ab, fahre nach unten, um ein paar Fotos zu machen. Schwarzwälder Speck, Käse und eine Apfelschorle warten auch auf mich.

Kurz vor Bonndorf ist für mich der Bähnle-Radweg zu Ende. Ich beschließe an einem Wanderparkplatz, die Route zu verlassen und über eine Kreisstraße nach Schluchsee zu fahren und von dort aus zurück zum Campingplatz.

Hier kostet mich die Strecke ordentlich Akku und ich muss Strom sparend fahren. Die Straße geht über 8 km nahezu konstant bergauf, mal mehr, mal weniger. Und ich weiß, dass ich auch hinter Schluchsee noch einen weiteren Anstieg vor mir habe.

Ich stelle zum Schluss fest, dass die Vorschläge, die GoogleMaps für Radfahrer bereit hält, teilweise absolut suboptimal sind. Eine Abkürzung führt mich ein wildes Stück durch den Wald, lässt mich die B 500 kreuzen und geht durch eine kleine Lücke in der Leitplanke, ein kleines Brückchen unter der Bahnlinie hindurch, hinunter zum Titisee.

Blick auf den Titisee - von der B500 Richtung Neustadt
Blick in Richtung Titisee

Von der Bundesstraße aus eröffnet sich für mich noch ein wunderbarer Blick auf den Titisee, bevor ich mich dann das Rad schiebend ein Steilstück durch das Dickicht quäle.

Fazit: das war grenzwertig: Akku-Kapazität auf unter 15%, der Akku vom Mobiltelefon ebenfalls nahezu leer (gebraucht für die Navigation). Aber insgesamt eine tolle Fahrt!

Auf zum Feldberg !

Radwandertour zum Feldberg
Mit dem Rad hoch zum Feldberg

Der Feldberg, mit 1493m der höchste Berg im Schwarzwald, ist nur rund 15 km entfernt, jedenfalls auf direktem Weg. Ich nehme jedoch einen Weg drum herum, um den idyllischen Feldsee zu sehen und am Raimartihof für ein Radler zu halten. Insgesamt fahre ich an diesem Tag ziemlich genau 36 km.

Im Seebachtal, Richtung Raimartihof
Im Seebachtal, auf dem Weg zum Feldbergsee

Schon kurz nach Verlassen des Campingplatzes beginnt der noch sanfte Anstieg. Bald biege ich ab ins Seebachtal. So eine Tour darf natürlich nur bei Traumwetter stattfinden, und das habe ich heute. Der Weg führt immer steiler nach oben. Einmal muss ich zwangsläufig pausieren, weil Holzfäller auf dem Weg arbeiten. Am Feldsee angekommen, bin ich begeistert. Die Sonne erzeugt herrliche Herbstfarben. Das Wasser ist so klar, dass ich die Fische vom Ufer aus beobachten kann.

Der Feldbergsee - unterhalb des Gipfels
Der Feldbergsee – Idylle pur

Nur wenige Minuten entfernt befindet sich der Raimartihof, an dem ich mir einen Platz an der Sonne suche und ein kühles Radler genieße, bevor ich dann den anstrengendsten Teil noch vor mir habe: den Anstieg zum Gipfel des Feldbergs!

Blick zum Raimartihof und Feldsee vom Feldberggipfel
Feldsee und Raimartihof vom Feldberg aus (Bismarckdenkmal)

Was ich lerne, ist, dass auch so gute Navigationshilfen, wie die Komoot-App, Routen vorschlägt, die ich für Alltagsradfahrer für wenig geeignet halte. In Zukunft muss ich die Karte vorher besser erkunden und selbst entscheiden, welchen Weg ich wähle. Vom Raimartihof aus jedenfalls geht es bis zum Naturfreundehaus Feldberg ganz gut. Im Anschluss bis zur Zastlerhütte allerdings ist die Route etwas verwegen und nur mit großer Vorsicht befahrbar.

Blick auf den Feldberggipfel vom Immisberg aus
Blick auf den Feldberg – auf 1170m Höhe

Danach wird der Weg wieder zahm. Natürlich geht es immer weiter nach oben. Ich passiere den Immisberg in Richtung St. Wilhelmer Hütte, noch 320 Höhenmeter liegen vor mir. Aber auch die erklimme ich, sogar recht zügig auf der geteerten Zufahrtsstraße zum Gipfel.

Auf dem Feldberg - Blick vom Gipfel zum neuen Feldbergturm
Auf dem Gipfel – 1493 m ü.N.N

Ein Supergefühl! Alle Anstrengung fällt irgendwie ab, das Ziel ist erreicht. Der Gipfel selbst ist wenig spektakulär, aber die Aussicht schon. Richtung Alpen ist es zu diesig, aber in den Schwarzwald hinein eröffnet sich ein atemberaubender Ausblick.

Blick vom Bismarckdenkmal über den Feldbergsee in den Schwarzwald
Blick in die Ferne – der Schwarzwalz in ganzer Schönheit

Die anschließende Schussfahrt hinunter bis kurz vor den Campingplatz war natürlich eine reine Genussfahrt. Diese Tour hinauf zum Feldberg war auf jeden Fall der Höhepunkt meiner Reise.

Die Donauquelle

Lange gab es Streit darum, welches nun genau der eigentliche Quellfluss der Donau ist. „Brigach und Breg bringen die Donau zuweg.“ Dass ist der Merkspruch und macht deutlich, dass die Donau zwei Quellflüsse hat. Hydrologisch, also wissenschaftlich wird allerdings die Breg, die bei Furtwangen entspringt, als originärer Quellfluss anerkannt, das sie mit 2888 km am Weitesten von der Mündung entfernt ist. Also klemme ich mein Fahrrad auf die Anhängerkupplung und fahre dorthin.

Die Breg - anerkannter Quellfluss der Donau bei Furtwangen
Die Breg – Ursprung der Donau – 2888 km vor der Mündung

Nach kurzem Spaziergang zur Quelle vom Wanderparkplatz aus nehme ich mein Fahrrad und drehe eine 26 km lange Runde, die mir Komoot vorgeschlagen hat.

Wie gewohnt geht es im Schwarzwald auf und ab, aber durch herrliche, oft abgeschiedene Gegenden.

Tannenwald bei Furtwangen
duftender Tannenwald und Bachgeplätscher

Unterwegs komme ich an einem Holzschild vorbei, dass „Zum Schnapsschränkle“ weist. Dass muss ich mir anschauen. Mitten im Wald? Vielleicht eine Brennerei?

Das Schnapsschränkle - Rastplatz für Wanderer und Radfahrer bei Furtwangen
Das Schnapsschränkle!

Nein! Weit gefehlt. Hinter einem Wäldchen versteckt liegt ein wunderbar hergerichteter Rastplatz für Wanderer und Radfahrer. Und tatsächlich: das „Schnapsschränkle“ und das „Bierkästle“ sind reichlich gefüllt und warten auf Verkostung, bzw. Erfrischung. Natürlich gegen einen kleinen Obulus. Ein großartiges Zeichen Schwarzwälder Gastfreundschaft, wie ich finde!

Zum Schluss der Runde mache ich einen Abstecher zum Brend, dem offiziellen Hausberg der Stadt Furtwangen, 1149m hoch. Vom Aussichtsturm habe ich einen schönen Blick in die Ferne, zu letzten Mal, bevor es am folgenden Tag wieder Richtung Norden nach Hause geht.

Blick vom Aussichtsturm auf dem Brend
Der Blick vom Turm auf dem Brend

Wandertouren

Das Fahrrad muss auch mal stehen bleiben können. Zwei Wandertouren stehen auf dem Programm: zum einen die Ravennaschlucht, die nur etwa 15 Autominuten vom Campingplatz entfernt ist und ein Abschnitt der Wutachschlucht.

Ravenaschlucht

Startpunkt ist (insgesamt 6,6 km) der Wanderparkplatz am Hofgut Sternen. Unmittelbar dahinter wird der Eingang zur Schlucht vom mächtigen, 1926/27 erbauten Eisenbahnviadukt beherrscht.

Ravennaviadukt am Eingang zur Schlucht
Eisenbahnviadukt am Eingang zur Ravennaschlucht

Danach geht es hinein in die schmale, enge Schlucht der Ravenna.

der schmale Weg entlang der Ravenna, zum Teil auf Holzstegen
Wanderweg entlang der Ravenna

Zum Teil mit steilen Anstiegen, die mich zum Schwitzen bringen, obwohl es heute recht kühl ist. Der Himmel bleibt bedeckt und als ich später zur Berend´s Bankje weiterwandere, stehe ich in den Wolken.

Spuren der Wildheit
ein wilder Bach

Etwa 2,5 km sind es, dann bin ich am Ausgang der Schlucht angekommen. Ich entscheide mich, nicht den gleichen Weg zurück zu laufen, sondern einen Rundweg daraus zu machen. Mein nächstes Ziel ist Berend´s Bankje, ein Aussichtspunkt, der auf etwa 1000m Höhe liegt. Also heißt es, weiter steigen.

Und je näher ich komme, desto dunkler und feuchter wird es. Der „Ausblick auf Breitnau“, kurz vor meinem nächsten Ziel lässt mich schon ahnen: nix mit Aussicht.

Ausblick auf Breitnau im Schwarzwald
Ausblick auf Breitnau

Und so biege ich kurz hinter Berend´s Bankje nach links ab und mache mich an den Abstieg. Bald erreiche ich das sogenannte Goethehaus am Hofgut Sternen, benannt nach unserem berühmtesten Dichter, der dort auf einer seiner Reisen 1779 nächtigte.

Wutachschlucht

Zum Wanderparkplatz Schattenmühle sind es vom Campingplatz Bankenhof etwa 25km mit dem Auto. Von dort aus kann man die Wutachschlucht leicht erreichen. Durch den Regen der vergangenen Nacht sind Flüsse und Bäche reichlich voll. Ich höre schon am Parkplatz das laute Rauschen des Wassers.

Die reissende Strömung der Wutach
Die rauschende Wutach
Der Dietfurter Wasserfall
Der Dietfurter Wasserfall

Auf dem Weg liegen die Dietfurter Wasserfälle, ja, und die sind schon etwas besonders. Gleichmäßig fließt das Wasser über einen moosbewachsenen Felsen und bildet dann einen feinen Wasservorhang beim Hinunterfallen.

Aber insgesamt ist dieser Abschnitt längst nicht so spektakulär wie entlang der Ravenna, eher gemütlich, auch wenn es rauf und runter geht. Da es schön später Nachmittag ist, kreuze ich die Wutach an der Dietfurtbrücke und kehre zum Auto zurück.

Fazit:

Ich verbringe wunderbare Tage im Schwarzwald, viele Erlebnisse bleiben unerwähnt. Die Menschen dort sind sehr gastfreundlich, die Landschaft ist teils atemberaubend schön und sehr schnell kann man in Abgeschiedenheit Zeit verbringen. Touristisch super erschlossen: Rad- und Wanderwege sind gut ausgeschildert, viele Hütten laden zur Rast ein und getoppt wird das Ganze mit der Konus-Card, die den Kurtaxe zahlenden Gästen die kostenlose Nutzung des ÖPNV im gesamten Gebiet des Schwarzwaldes anbietet. Super, oder?

Ganz klar: ich komme wieder!

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