Die Reise zum Nordkapp – mit dem Caravan (1)

Gesprochen haben wir schon oft davon, nun wird es Wirklichkeit. Anstatt wie sonst durch die lieb gewonnenen U.S.A zu reisen, bleiben wir auf europäischem Boden, spannen unser Auto vor den Wohnwagen und ziehen Richtung Norden, bis der Weg zu Ende ist. Am Nordkapp. In Norwegen.

Der Plan wird nicht so richtig einer

Vorher will ich die Fahrt gut vorbereiten. Schweden kennen wir gut, da sehe ich keine Probleme auf uns zukommen. Aber Norwegen? Was müssen oder sollten wir über Norwegen und seine Menschen wissen? Wie ist es denn, mit dem Wohnwagen durch Norwegen zu fahren? Vor allem, mit einem großen TEC-Weltbummler, 8m lang und 2,52m breit. Wird das funktionieren?

Reise- und Campingführer, Karten zur Vorbereitung

So viel habe ich über ein Land, das wir besuchen wollen, vorher noch nie gelesen. Mir schwirrt der Kopf vor Empfehlungen, schönsten, interessantesten und wichtigsten Orten, die einen Besuch lohnen. Nach einigen Wochen gebe ich auf. Einige Dinge behalte ich im Hinterkopf, von denen ich denke, dass sie wichtig werden könnten. Aber wir planen jetzt ungewohnt anders. Nämlich ohne detaillierte Vorbereitung. Die Entscheidungen werden von Tag zu Tag fallen.

Natürlich wälze ich nicht nur Reiseführer aus Papier. Auch das Internet bietet hervorragende Möglichkeiten, Informationen zu sammeln. Die Seiten, die mir dabei am besten geholfen haben, möchte ich hier ohne Wertung in der Reihenfolge dankenswerterweise nennen:

www.nordlandblog.de
www.nordlaender.reisen
www.familyontour.de
www.visitnorway.de

Die mir wichtigsten Reiseführer packe ich in den Wohnwagen. Sicherheitshalber. Es wird sich später herausstellen, dass ich sie sehr wenig nutze. Wichtigstes Instrument für die tägliche Vorbereitung wird – modernen Zeiten sei Dank – der Tablet-Computer.

Zunächst entscheiden wir uns zumindest für eine Route nach Norden. Drei Alternativen stehen zur Auswahl: direkt nach Norwegen und dann über die E6 (mit Umwegen) zum Nordkapp oder durch Schweden über die E45 oder E4 und E8. Die Entscheidung fällt mit der Wahl der Fähre: es wird die E45 mit der Fährverbindung Frederikshavn – Göteborg. Das hat zum einen nostalgische Gründe, denn wir haben eine Vorliebe für Schweden und werden durch Gegenden fahren, in denen wir bereits früher unsere Ferien verbracht haben. Zum anderen ist das Nordkapp das am weitesten entfernte Ziel. Deshalb wollen wir das zunächst erreichen und dann sehen, was uns auf dem Rückweg noch begegnet und gefällt.

Dann legen wir nur die ersten drei Campingplätze fest und reservieren: Frederikshavn, Trollhättan und Mora. In Mora werden wir einen Tag pausieren und die Füße hochlegen.

Wie lange wir anschließend noch zum Nordkapp brauchen werden, wissen wir nicht. Das Weiterkommen wollen wir auch davon abhängig machen, wie gut wir mit dem Wohnwagen vorwärts kommen. Vielleicht gibt es ja auch einen Platz, der uns besonders gut gefällt und zum Verweilen einlädt?

Gepackt, angespannt und los geht es!

Der erste Ferientag ist auch unser Start. Ein paar Tage vorher fahre ich mit der Grundausstattung im Wohnwagen (Tisch, Stühle, Vorzelt, Reserverad, Spülwasser, Gasflaschen, etc.) sicherheitshalber auf die Waage. Und siehe da, noch sind 160 Kilo Zuladung frei!

Aus Erfahrung nehmen wir nur wenige Lebensmittel mit, also dürften wir in den Grenzen des zulässigen Gesamtgewichts bleiben, wenn der Rest gepackt ist.

Unser Gespann - ein Volvo XC90 mit TEC Weltbummler 522 TKM
Unser Gespann – Volvo XC90 mit TEC Weltbummler 522 TKM

Der erste Tag: Hambergen – Frederikshavn (620 km)

Es ist Donnerstag, der 4. Juli. Normalerweise für uns der Nationalfeiertag in den U.S.A. Heute anstatt dessen die Fahrt nach Frederikshavn in Dänemark. Wir starten nicht ganz so früh, wollen nicht in den morgendlichen Berufsverkehr in Hamburg hineingeraten. Und so gelingt es uns, dass wir mit ganz wenig Verzögerung durchkommen. Erste Pause zum Tanken und Mittagessen dann im Scandi Park an der Grenze zu Dänemark.

Die Fahrt bleibt ziemlich ereignislos. Von Ferienbeginn ist noch wenig zu spüren. Auch als wir am Campingplatz in Frederikshavn ankommen, bleibt die große Camperinvasion aus, die ich eigentlich erwartet hatte. Als Fazit des ersten Tages nehme ich mit, dass 620 km Tagesstrecke mit dem Wohnwagen wirklich genug sind. Es darf zukünftig weniger sein.

Der zweite Tag: Frederikshavn – Trollhättan (80 km)

Wir haben die Mittagsfähre gebucht. Warum Stress? Wir schlafen aus, frühstücken gemütlich und packen zusammen. Bevor wir zur Fähre fahren, wird nochmal getankt und der Reifendruck überprüft.

Das Gespann im Bauch der Fähre nach Göteborg
Das Gespann im Bauch der Fähre nach Göteborg

Die Fährfahrt wird wie erwartet sehr gemütlich. Nach dem Mittagessen verbringen wir den Rest der Fahrtzeit auf dem Sonnendeck. Und es dauert nicht lange, bis der Hafen von Göteborg in Sicht kommt.

Älvsborgsbron – Einfahrt in den Hafen von Göteborg

Schon bald sitzen wir wieder in unserem Auto und warten darauf, das Schiff zu verlassen. Heute liegen nur noch 75km vor uns. Kurz vor Trollhättan liegt ein netter Campingplatz, den wir uns ausgeguckt haben. Nach dem wir uns durch die Großbaustelle Göteborg hindurch gequält haben, liegt die schöne, ruhige schwedische Landschaft vor uns und wir rollen auf der E45 am Göta Älv entlang gemütlich und entspannt nach Trollhättan.

Stenrösets Camping ist ein kleiner Platz, trotz der Nähe zur E45 sehr ruhig und bietet den Kindern genügend Möglichkeiten zum Austoben. Schwimmbad und Minigolf, Luftkissentrampolin z.B. Wir brauchen nicht viel, denn am nächsten Tag soll es ja noch weitergehen.

Tag 3: Trollhättan – Mora (410 km)

Das nächste Ziel ist Mora. Dort wollen wir einen Ruhetag einlegen. Die kleine Stadt am Siljansee ist bekannt für ihre Messer. Ich habe auch eins aus einem unserer früheren Urlaube in der Angelkiste dabei. Außerdem endet hier der berühmteste Ski-Marathon, der 90km lange Wasalauf.

Mora am Siljansee - Zielline des Wasalauf
Mora – Ziellinie des Wasalaufs

Die Mittagspause legen wir kurz vor Karlstad an der Abzweigung, wo sich E18 und E45 wieder trennen, ein. Dort befindet sich ein Rastplatz, der auch Parkplätze für LKW/Wohnmobile/Wohnwagengespanne hat. Und nein, wir gehen nicht zur Burgerbraterei, sondern gegenüber an der Ecke in den “Pizza Palatset Nyängen”. Schlicht und einfach, aber die Pizza ist echt gut. Seitdem stehen wir auf Kebab-Pizza!

Zum Schluss wird es noch ganz böse, denn direkt daneben ist ein Süßwarenladen mit riesiger Auswahl eingezogen. Natürlich zieht es uns dorthin und wir setzen weitere schwedische Kronen in Schaumzucker, Lakritze und Weingummi um.

Die E45 führt uns anschließend durch Värmland. Hier haben wir bereits mehrere Male Urlaub gemacht. Besonders die Gegend um den Fryken, einer 35km langen Kette aus drei Seen, ist uns in bleibender Erinnerung geblieben. Hier sind wir um Sunne herum Kanu gefahren, haben Lagerfeuer am Ufer gemacht und versucht, Fische zu fangen.

Värmland - Blick auf den oberen Fryken
Rastplatz Tossebergsklätten – Blick auf den oberen Fryken

Nachmittags kommen wir am Campingplatz Mora Parken an. Es ist ein sehr großes Wiesen- und Waldgelände ohne feste Parzellierung. Es ist nicht übermäßig voll. Wir haben ein Platz am Wasser reserviert und sind auch etwas abseits in einer ruhigen Ecke. Das gefällt uns echt gut.

Auf dem Campingplatz Mora – an Wald und Wasser

Die Kinder freuen sich über die großen Spielplätze (mit Schaukeln, Klettergerüst, Luftkissentrampolin) und sind nach dem Aufbau nicht mehr gesehen.

Sehr angenehm ist es, dass der Platz in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum liegt. Wir gehen zu Fuß, finden einen ICA und kaufen unsere ersten frischen Lebensmittel ein. Später erkunde ich die Stadt nochmal auf einem zweiten Spaziergang zum Siljansee.

Das Dampfschiff S/S Laxen auf dem Siljansee
Museumsdampfschiff S/S Laxen von 1899 auf dem Siljansee

Dabei entdecke ich das alte Dampfschiff S/S Laxen, dass früher die Aufgabe hatte, das Holz einzusammeln, dass die Flößer während des Treibens verloren hatten. Auch unter der Ziellinie für den berühmten Wasalauf bin ich hindurch spaziert.

Tag 5: Mora – Hammerdal (410 km)

Heute soll es weiter gehen. Der Polarkreis ruft! Auch einer der Gründe, warum ich gerne die E45 entlangfahren will. Die Kleinstadt Jokkmokk liegt genau am Polarkreis und hat einen großen Campingplatz. Am Polarkreis zu übernachten, das ist doch was!

An einem Tag ist diese Strecke jedoch für uns nicht zu schaffen. Und auf Grund der Erkenntnis, dass 400 km am Tag wirklich genug sind, versuche ich die Strecke vernünftig abzustecken. Ich bemühe eine sehr bekannte Suchmaschine und finde auf der Karte einen Platz, der von der Entfernung her passt und auch recht gut bewertet wird: Camp Route 45 in Hammerdal.

Rund 370 km sollen es sein. Allerdings wird uns unterwegs auf Schildern eine Baustelle mit Zeitverzögerung angekündigt und auch unser Navi schlägt eine Umfahrung vor. Daher wird die Fahrt insgesamt etwas länger.

Wir merken, dass hier so mitten drin in der Landschaft wirklich nicht viel los ist. Kaum Verkehr und wenn, dann sind es wenige Pkw, noch weniger Lkw, aber viele Wohnmobile, die uns entgegenkommen. In unsere Richtung fährt kaum jemand.

So wird es auch mit den Möglichkeiten, Mittag zu essen, immer sparsamer. Der Magen knurrt. In dem kleinen Nest Ytterhogdal werden wir glücklicherweise fündig. Kurz bevor unsere Umleitung beginnt, liegt an der E45 eine Pizzeria: 45:ans. Ich habe sogar genug Platz, um unser Gespann einfach zu parken. Die Pizza geht völlig in Ordnung und bietet auf der Strecke eine willkommene Möglichkeit der entspannten Rast, weil wir dort die Ruhe nicht mit vielen anderen Reisenden teilen müssen.

Dann beginnt die Umleitungsstrecke quer durch die Einsamkeit und Schönheit der schwedischen Landschaft. Wir verlieren etwas Zeit, auch weil der Zustand der Straße streckenweise zum Langsamfahren zwingt. Schließlich landen wir auf der E14, die uns kurz vor Östersund wieder auf die E45 zurückführt. Am späten Nachmittag treffen wir auf dem Campingplatz ein. Tagsüber hatten wir grauen Himmel, teils regnerisches Wetter, jetzt verziehen sich die Wolken und die Sonne scheint.

Ein kleiner Fluss am Campingplatz Camp Route 45 in Hammmerdal
Camp Route 45 grenzt an einen kleinen Fluss

Als wir unseren Platz auf der feuchten Wiese beziehen, fliegen Schwärme von Mücken auf. Hier muss der Caravan zu bleiben, sonst werden wir ausgesaugt!

In dem kleinen, gemütlichen Restaurant an der Rezeption gönnen wir uns noch ein paar Waffeln, ich mache noch einen kleinen Bewegungsspaziergang und dann ist bald Ruhe, den der morgige Tag wird lang.

Tag 6: Hammerdal – Jokkmokk (540 km)

Entgegen unseres Vorsatzes entscheiden wir uns, heute bis nach Jokkmokk durchzufahren. Es passt von der Streckenaufteilung irgendwie am besten und am Polarkreis will ich unbedingt übernachten!

Ich genieße diese Landschaft während des Fahrens. Und obwohl die E45 eine der drei Hauptverkehrsadern durch Schweden in Nord-Südrichtung ist, herrscht sehr wenig Verkehr. Es bleibt also entspannt bis auf die Tatsache, dass die Straße manches Mal in einem erbärmlichen Zustand ist und unser Wohnwagen heftig springt, wenn ich eine Bodenwelle zu spät erkenne.

Und jetzt kommen wir auch in die Gegenden, in denen die Samen zuhause sind, die hier ihre Rentierzucht betreiben.

Eine Rentierherde mitten auf der E45
Rentiere als Verkehrsteilnehmer auf der E45

Die Tiere dürfen durchs Gelände streunen und sie kümmern sich nicht um die Verkehrswege. Sie nutzen sie als Zugang zu ihren Weidegründen. Vorsicht ist so manches Mal angesagt.

Und dann ahnen wir nichts böses, als wir wieder große Schilder mit Hinweisen auf eine Baustelle sehen. Dieses Mal gibt es keine Alternative für uns. Mal sehen, was auf uns zukommt.

Es ist eine der übelsten Baustellen, die ich bisher irgendwo erlebt habe. Ich kann es kaum glauben, dass uns das Schild nicht nur Ampelregelungen und Pilotfahrzeug ankündigt, nein, es sind 30 km (!!!) Schotterstrecke, die uns erwarten! Es rumpelt gewaltig. Manchmal traue ich mich, die 50 km/h zu fahren, oft aber nicht. Zu allem Überdruss fährt dann noch eine Weile ein Tankfahrzeug direkt vor uns her, um die staubige Straße zu wässern. Somit wechselt der schöne, weiße Caravan ein wenig die Farbe.

Am Ende der Baustelle sehen wir dann zwei deutsche Wohnmobile am Straßenrand halten und ein Abschleppwagen kommt uns entgegen. Diese Strecke fordert ihren Tribut!

Wir kommen am frühen Abend in Jokkmokk an. Das Arctic Camp ist voll! Unsere vorherige online-Reservierung macht sich bezahlt. Und als wir dann endlich auf unserem Platz stehen, ja, da sehe ich es: der Volvo hat einen Plattfuß! Dieser Tag hat Nerven gekostet. Wir verlängern um eine Nacht, um uns am nächsten Tag stressfrei um eine Reparatur kümmern zu können und nochmal zum Parkplatz am Polarkreis zu fahren.

An der Rezeption vom Arctic Camp hole ich mir Rat, wo ich einen neuen Reifen herbekomme. Mir wird sofort mit zwei Adressen geholfen, an die ich mich wenden kann.

Großes Lob an Fredd, der an der Q8 Tankstelle in Jokkmokk einen Reifenservice betreibt. Freundlich sucht er für mich nach einer schnellen, günstigen Lösung. Einen passenden Reifen hat er zwar neu, der ist jedoch schon einem Kunden versprochen. Aber einen Gebrauchten, der noch soweit in Ordnung ist, findet er in seinem Lager. Und in der Zeit, die ich zur Bank fahre (mit Notreifen, schön langsam), um Geld zu holen, zieht Fredd den neuen, alten drauf, der die ganze Reise über keine Probleme machen wird und auch heute noch seinen Dienst versieht.

Übrigens treffe ich bei Fredd noch einen Deutschen mit seinem T5-Camper, der mit seiner Familie auf dem Weg zum Nordkapp ist. Auch ihn hat das Schicksal eines platten Reifens in dieser Baustelle ereilt.

Anschließend fahren wir zu dem Ziel, wofür ich uns nach Jokkmokk geführt habe: zum Polarkreis auf  71° 10′ 21”.

Erklärtafel am Polarkreis in Jokkmok, Schwedenk
Eine mehrsprachige Erläuterung der Bedeutung der Polarkreise

Jetzt ist es endlich soweit. In Alaska waren wir zumindest bis auf wenige hundert Kilometer dicht dran, aber jetzt überschreiten wir ihn sogar! Ab hier wird in den nächsten Tagen die Sonne nicht mehr untergehen!

Klimatisch betrachtet fühle ich mich gar nicht so “polarmäßig”. Die Sonne scheint und es ist mit 18 Grad ganz angenehm warm. Und deshalb ist es genau das, was Urlaub ausmacht: buchstäblich auf dem Polarkreis entspannt sitzend eine Tasse Kaffee zu genießen, das bleibt in guter Erinnerung.

Einen Kaffee am Polarkreis in sommerlicher Wärme
Bei sommerlichem Wetter am Polarkreis einen Kaffee trinken – das hat was!

Einen Aufkleber, auch wenn er unverschämt teuer ist, nehmen wir für den Wohnwagen mit. Er hat ihn sich verdient!

Anschließend fahren wir zur “Sápmi Ren och Vilt AB” am Ortseingang von Jokkmokk. Das Hinweisschild an der Straße haben wir bereits gesehen und es hat unser Interesse geweckt. Gibt es hier Elchfleisch? Ja, gibt es! Und zwar in allen möglichen Variationen. Und nicht nur das. Auch Rentier wird hier angeboten. Wir lassen uns gut beraten und nehmen ein paar Portionen von beidem mit. Später werden wir bedauern, dass wir nicht noch mehr eingekauft haben, weil das Fleisch dort vergleichsweise günstig ist.

Anschließend ergänzen wir unsere Einkäufe in den Supermärkten und lassen für den Rest des Tages das Auto stehen. Auch die Fahrt am nächsten Tag wird etwas länger sein.

Tag 8: Jokkmokk – Kautokeino (442 km)

Heute wollen wir es bis nach Kautokeino, dem Zentrum der samischen Bevölkerung, schaffen. Damit sind wir dann schon in Norwegen! Da liegen aber über 400 Kilometer vor uns und somit auch wieder ein paar Stunden Autofahrt.

Es wird wieder einsam auf der Straße. Eine großartige, immer wieder wechselnde Landschaft zieht an uns vorüber. Und ab Mittag knurrt uns der Magen. Wir haben uns schon auf die Knäckebrotvariante eingestellt. Wir kochen nicht gern, wenn wir unterwegs sind. Das haben wir schon auf unseren Fahrten mit dem RV gemerkt. Als wir uns Karesuando unmittelbar vor der finnischen Grenze nähern, entdecken wir am Ortseingang den Arctic Lunch & Grill. Mit großem Parkplatz – ideal für uns! Wir halten an.

Mittagessen im Arctic Lunch & Grill in Karesuando vor der Grenze zu Finnland
Endlich Mittagessen – in Karasuando

Zufrieden und gesättigt setzen wir unsere Fahrt fort und überschreiten nach wenigen Minuten die Grenze zu Finnland. Es dauert auch gar nicht lange, bis wir den kleinen finnischen Zipfel durchquert haben. Am späten Nachmittag erreichen wir das Artic Motell (& Camping) in Kautokeino.

Campingplatz beim Arctic Motell in Kautokeino
Der Campingplatz in Kautokeino

Hier zeigt es sich, dass unser Probecamping über Pfingsten am Malchiner See (Mecklenburgische Schweiz) gelohnt hat. Da muss mir doch ein Wohnmobilist zeigen, wozu Auffahrkeile gut sein können und dass sie durchaus auch für Wohnwagen sinnvoll sind. Wieder zuhause tätige ich noch einige zusätzliche Investitionen und die Keile erweisen sich gerade jetzt auf diesem Platz als richtig gut. Trotz abfallendem Gelände steht der Wohnwagen ohne Mühe absolut gerade! Und ich werde sie ab jetzt immer wieder gebrauchen können, wie sich herausstellt.

Kirche in Kautokeino
Ein Spaziergang zur Kirche von Kautokeino

Nachdem alles hübsch steht, mache ich mich auf den Weg und vertrete mir die Beine mit einem Spaziergang. Mein GPS in der Hand, führt es mich zu einem Geocache an der Kirche von Kautokeino, die hoch über der Stadt liegt und in der Abendsonne herrlich leuchtet. Morgen werden wir das Nordkapp erreichen und der Wetterbericht verheißt Gutes: Sonne und blauen Himmel bei 8 Grad. Diesen Tag wollen wir nutzen!

Tag 9 – noch 400 km bis zum Nordkapp !

Zunächst geht es weiter auf der E45. Wir entscheiden uns, nicht über Alta zu fahren, sondern vorher auf die Rv92 abzubiegen, um später auf der E6 am Porsangerfjord entlang zu fahren. Nach kurzer Zeit auf der Rv92 weist ein Schild daraufhin, dass die nächste Tankstelle über 80 km entfernt ist. Wie gut, dass ich jedes Mal vor Fahrtbeginn auf einen vollen Tank achte.

Schneebedeckte Bergketten an Norwegens Fjorden
Schneebedeckte Berge – wir sind im Norden angekommen

Die Landschaft weitet sich zunächst. Wir sehen Schneefelder auf den Bergen im weiteren Norden. Später schlängelt sich die Rv92 wunderschön am Karasjokafluss entlang bis nach Karasjok. Dort machen wir kurz Pause, weil uns der Sapmi Park interessiert und wir vielleicht noch etwas mehr über die Kultur der Samen erfahren. Der Eintritt kostet uns jedoch zuviel und so genießen wir ein Stück Kuchen zusammen und trinken Kaffee auf der sonnigen, windstillen Terrasse, bevor wir unseren Weg fortsetzen.

Entlang der E6 am Porsangerfjord
Pause am Porsangerfjord

Und endlich am Meer! Vor uns öffnet sich der Porsangerfjord. Viele Parkplätze am Wasser laden geradezu ein, eine Pause einzulegen. Das tun wir auch. Knäckebrot, Käse und Kaviarcreme – unser zweites, spätes Frühstück. Es ist sonnig, aber der frische Wind kühlt ab. T-Shirt-Zeit ist jetzt vorbei, die Jacken müssen raus aus dem Kofferraum.

Auf dem weiteren Weg zum Nordkapp sehen wir immer wieder solche Parkplätze, die genau dem entsprechen, was in den Werbeprospekten für die grenzenlose Freiheit der Wohnmobilisten und Camper propagiert wird. Hat nur einen Haken: die zur Hochsaison lärmige Europastraße, die man nicht sieht, ist immer dicht im Rücken.

Für uns wird es immer spannender. Ein paar engere Passagen der E69 müssen wir auch überstehen, aber es ist nicht wirklich ein Problem. Dann durchqueren wir den Nordkaptunnel (8% Steigung, über 200m tief!) und sind auf Magerøya.

Und auf dieser Strecke verliere ich den Glauben an gemütlich fahrende Norweger. Bin ich denn der einzige, der hier vorschriftsmäßig 80km/h fährt? Selbst große Wohnmobile (wirklich große!) warten auf den richtigen Moment und überholen uns mit Anlauf. Ist das die Anziehungskraft des Nordkapps?

Am frühen Nachmittag erreichen wir unseren Campingplatz, der wenige Minuten hinter Honningsvåg mit schönem Blick über den Skipsfjord etwa 30 km vor dem Nordkapp liegt. Wir bringen unseren Wohnwagen in Stellung und essen erstmal. Die Sonne geht ja nicht unter, es ist also viel Zeit und nichts drängt uns.

Am Ziel (noch 30 km)

Das Nordkapp - am Polarmeer
Das Nordkapp – am Ende Europas

Dann ist es soweit. Immer wieder haben wir zuhause z.B. beim Essen darüber gesprochen, so eine Reise mal zu machen. Jetzt sind wir am Ziel. Am Nordkapp. Ich zahle die Schwindel erregenden 760 Kronen (81 €), aber die sind es uns wert.

Und es erstaunt mich sehr, wie wenig heute trotz des ungewöhnlich guten Wetters los ist. Der Parkplatz ist gerade mal zur Hälfte belegt, die meisten sind Wohnmobile. Keine Busladungen voller Touristen in Sicht. Wer ein Instagram-Selfie braucht, wartet heute nur kurze Zeit.

Nordkapp - a view to the west
Vom Nordkapp – der Blick nach Westen

Und während sich der Rest der Familie noch in der Nordkapphalle aufwärmt, bin ich nochmal draußen und genieße trotz der Kälte die herrliche Aussicht. Dem Wetterbericht zufolge werden die Besucher, die morgen kommen, dieses Glück nicht haben.

Blick von der E69 auf den Skipsfjord
Blick über den Skipsfjord – und unseren Campingplatz

Auf dem Rückweg vom Nordkapp halten wir in einer Parkbucht an, um die herrliche Aussicht über den Skipsfjord zu genießen. Und mit Blick auf unseren Campingplatz.

Ende des ersten Teils – ein Fazit

Es ist längst nicht das Problem, wie ich dachte, mit einem solch großen Wohnwagen soweit in den Norden zu fahren. Es ist ein Unterschied, liebe Wohnmobilisten, ob ich ein vierrädriges Gefährt in einem Stück fahre oder ob ich noch ein Gefährt dahinter hängen habe. Bei jeder Bodenwelle, bei jedem Schlagloch muss ich für den Wohnwagen mitdenken, am besten vorausschauend. Das erfordert immer Konzentration und ermüdet mit der Zeit. Deshalb sind zusätzlich zur relativ langsamen Geschwindigkeit ungefähr 400 Kilometer pro Tag eine sinnvolle, selbst auferlegte Grenze.

Ich kann trotzdem während des Fahrens die großartige Landschaft genießen. Fernfahrten sind wir durch unsere U.S.A Aufenthalte gewohnt. Und wer meint, die schwedischen Wälder und Wiesen sind ja furchtbar langweilig, dem empfehle ich die Interstate Highways durch die endlosen Prärien in South oder North Dakota. Die E45 ist eine wunderschöne Fernstraße durch Skandinavien, auf einigen Abschnitten allerdings in sehr desolatem Zustand.

Gefahrene Kilometer bis zum Nordkapp: 2900

Treibstoffkosten: 586 Euro

Durchschnittsverbrauch: 13,1 Liter

Campingplätze: Nordstrand Camping (Frederikshavn) Stenrösets Camping (Trollhättan), Mora Parken (Mora), Camp Route 45 (Hammerdal), Arctic Camp (Jokkmokk), Arctic Motell & Camping (Kautokeino), Nordkapp Camping (Skipsfjord, Honningsvåg)

durchschnittlicher Übernachtungspreis: 38,80 Euro/N/5Pers

Fortsetzung der Erzählung: “Vom Nordkapp nach Vesterålen und Lofoten”

6 Gedanken zu „Die Reise zum Nordkapp – mit dem Caravan (1)

  1. Hi Matthias, auf fc hatte ich den Link zu deinem Reise Blog gefunden und habe mal kurz hier
    reingeschaut. Beeindruckende Landschaften, aber was oft noch interessanter sein kann, sind die
    kleinen Dinge oder menschen, die man unterwegs kennenlernt. Dein Blog ist auf alle Fälle eine
    absolute Empfehlung für jeden, der was ähnliches plant! Jetzt verstehe ich dein fc Bildmaterial besser!
    Soweit bei der derzeitigen Lage möglich, wünsche ich dir und deiner Familie ein schönes Weihnachtsfest
    und ei gesundes Neues Jahr!!

    LG Berthold

    1. Lieber Berthold,

      vielen Dank für Dein freundliches Feedback! Darüber habe ich mich sehr gefreut!

      Es war schon immer ein Wunsch von mir, die Geschichten unserer Reisen mit Bildern zu begleiten. Oder umgekehrt? Die Geschichte hinter den Fotos zu erzählen? Ich hoffe, es gelingt mir beides in gleicher Weise immer besser.

      Matthias

  2. Pleased you disclosed this link. Congratulations and thanks for the descriptive and pictorial report on your travel.
    Similar travel is on my plans since long but almost everytime I “change” priorities and Norway is relegated to 2nd or 3rd
    place in the ranking “must do”!
    After current times maybe is better to stay in Europe, so easily can happen to be oon the road in the next future.
    By the way, an impressive blog you present here, very special.
    Best wishes and by now stay@home.

    1. Thank you very much for your kind feedback!

      I only can recommend to do such a trip. Even though we are mostly spending our summer holidays in the United States I intend to plan a second trip to Norway, because it was impressive.

      Stay safe, stay healthy!

      Matthias

  3. Hallo Matthias,

    herzliche Grüße aus dem Norden.
    Unser aktueller Standort ist zur Zeit Mandalen (man denke sich den Kreis über dem ersten kleinen a).
    Ich habe gerade Deinen Reisebericht gelesen. Daumen nach oben. Ich bin schon gespannt auf den zweiten Teil.
    Glücklicherweise haben wir noch eine Woche Norwegen vor uns.
    Herzlichen Gruß
    Thorsten

    1. Lieber Torsten,

      diese Gegend kennen wir inzwischen gut! Der Bericht über unseren Aufenthalt in Mjelva (Åndalsnes) kommt im dritten Teil meiner Serie. Den Campingplatz Mjelva Camping kann ich wärmstens empfehlen!

      Ich wünsche Euch noch weiterhin einen schönen Aufenthalt dort oben!

      Hjertelig hilsen

      Matthias

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