Letzter Halt am Mjøsasee – mit dem Caravan unterwegs (5)

Die Zeit am Romsdalsfjord geht zu Ende. Das Wetter schlägt um. Daher packen wir unsere Sachen zusammen und ziehen eine Tagesreise weiter hinunter in den Süden.

Am Mjøsasee wollen wir noch ein paar Tage verbringen, und unseren Urlaub ausklingen lassen, früher als ursprünglich geplant. Diese Reise war so erfüllt von Eindrücken, dass wir nicht mehr weiter suchen wollen nach spektakulären Orten.

Mjelva – Skreia (Evjua Strandpark) 330 km

Der Tag der Abreise zeigt sich wie erwartet: grau und kalt. Wir verabschieden uns von einem Ort, der uns sehr gut gefallen hat und wo wir einen längeren Aufenthalt auf jeden Fall empfehlen.

Blick in das Gudbrandsdal in Richtung Romsdalen
Blick in das Gudbrandsdal in Richtung Romsdalen

Auf der E136 klettern wir zurück, empor bis nach Dombås, einem betriebsamen Verkehrsknotenpunkt, an dem wir wieder auf die E6 stoßen. Spontan entscheiden wir uns, anzuhalten und etwas zum Mittagessen zu suchen.

Untern an der Straße stehen sie alle, die Wohnmobile und Touristenbusse. Wir finden etwas abseits oberhalb der Kirche einen guten Parkplatz für unser Gespann. Und wir brauchen auch gar nicht weit zu laufen. Schon wenige Minuten später finden wir die Pizzeria Rosa Napoli, in der wir wieder einmal unsere neue Lieblingspizza mit Kebab serviert bekommen. Und zu unserem Erstaunen werden wir hier, mitten in Norwegen, in deutscher Sprache bedient. Der Besitzer war einige Jahre in Wien zuhause.

Gut gesättigt ziehen wir weiter, mitten hinein in das schlechte Wetter. Es beginnt, kräftig zu regnen. Vom Gudbrandsdal sehen wir nicht viel, die Berge rundherum liegen in dichten Wolken. Lillehammer versinkt in strömendem Regen. Wie wird das heute noch werden, fragen wir uns.

Aber eine Weile später hört der Regen schließlich wieder auf. Und ja, als wir unseren Campingplatz am Südufer des Mjøsasees erreichen, lugt schon wieder der erste Sonnenstrahl hervor.

Blick über den Mjøsasee nach Norden
Evjua Camping am Mjøsasee

Hier entscheiden wir uns, die Fähre zurück nach Dänemark umzubuchen und eine Woche früher nach Hause zu kommen. Und das ist völlig o.k. für uns.

Wir genießen den herrlichen, riesigen See, packen nochmals das Kanu aus und fangen unser Abendessen.

Frisch gefangener Fisch aus dem Mjøsasee
Abendessen – Fisch frisch von der Angel

Ich hätte es schon längst versuchen sollen: das Filetieren geht mir ganz gut von der Hand und so kann man den Fisch sehr gut weiter verarbeiten. Lecker ist er! Und ein weiteres Erfolgserlebnis für die Kinder.

Die Abendsonne am Mjøsasee beleuchtet die Berge
Die Abendsonne färbt die Landschaft

Das Wetter zeigt sich nochmals von der schönsten Seite. Wir erkunden die Umgebung und finden noch eine Verkaufsstelle für Elch- und Rentierfleisch: Nordås Gårdskjøtt, ein Hof, der mitten in der bergigen Landschaft um Skreia zu finden ist. Die Vorräte für Deutschland werden aufgefüllt. Dort werden wir sehr gut beraten, was wir kaufen sollten und auch, wie das Fleisch am besten zubereitet wird. Solche Tipps nehmen wir auf unserer Reise immer gerne an, wenn wir solche Dinge einkaufen und die Ergebnisse sind jedes Mal sehr lecker!

Nordås Gårdskjøtt bei Skreia
Nordås Gårdskjøtt – Elch- und Rentierfleischverkauf

Bei unserem Ausflug nach Gjøvik erleben wir das gleiche Phänomen, das uns schon in Ålesund überrascht hat: der Parkplatz in der Innenstadt ist kostenlos, aber die Bürgersteige sind auch leer. Es ist bei bestem Sommerwetter nichts los.

Aber die Natur begeistert uns sowieso am meisten und dort verbringen wir auch die meiste Zeit. Eine letzte Wandertour, um den See von oben zu sehen, noch einmal ans Ufer für einen herrlichen Sonnenuntergang und dann ist unsere Zeit auch hier zuende.

Sonnenuntergang über dem Mjøsasee
Sonnenuntergang über dem Wasser

Evjua Strandpark – Kungälv (Schweden) 374 km

Routiniert packen wir unsere Ausrüstung zusammen, nur Tisch und Stühle werden noch einmal gebraucht.
Zunächst fahren wir weiter auf der Fv33 am Mjøsasee entlang in Richtung Minnesund.

Engstelle am Mjøsasee
Die Fv33 am Mjøsasee – hier etwas eng

Die letzten engen Passagen müssen wir noch meistern, dann weitet sich die Landschaft und bald haben wir wieder Anschluss zur E6.

Rund 380km liegen heute vor uns, die aber leicht zu händeln sind, denn die E6 wird vor Oslo zur Autobahn und die führt uns bis nach Göteborg zurück. Einen Zwischenstopp legen wir noch ein, damit wir ausgeruht fahren. In Kungälv, rund 20km vor dem Fährhafen, übernachten wir auf einem kleinen Campingplatz am Nordälv, nur wenige Schritte vom hübschen Altstadtzentrum entfernt.

Kungälv - der Platz vor der Kirche
Kungälv – die Altstadt

Leider hat die Pizzeria dort geschlossen. So setzen wir uns halt doch noch einmal ins Auto und fahren in ein großes Einkaufszentrum zum Essen. Dort bekommen wir unsere letzte skandinavische Kebab-Pizza. Zumindest für 2019.

Im Anschluss mache ich mich noch einmal zu Fuß auf den Weg. Und erblicke am Berg oberhalb von Kungälv eine Aussichtsterrasse, die ich natürlich noch erkunde.

Blick über Kungälv und das Tal des Nordre Älv
Blick über Kungälv im Tal des Nordre Älv

Am nächsten Tag sind es nur wenige Minuten bis zum Fährterminal, wo wir auf unsere Überfahrt warten. Wir haben wieder die Mittagsfähre gebucht.

Autofähre von Göteborg nach Frederikshavn
Die Fähre nach Dänemark beim Anlegemanöver

Wir sind viel zu früh dort, obwohl wir sehr gemächlich fahren. Wir verbringen die Zeit am Kai und beobachten den Schiffsverkehr. So können wir schließlich das Anlegemanöver unseres Schiffes vom Kai aus beobachten. Mit inzwischen gewohnter Manier fahren wir dann hinein in den dicken Bauch der Fähre.

Das die Welt doch sehr klein ist, stellen wir später fest, als wir an Deck gerade einen Platz für uns gefunden haben. Uns laufen liebe Freunde über den Weg, die ebenfalls aus Schweden nach Hause zurückkehren. So wird die Überfahrt fur uns alle sehr kurzweilig und bleibt in guter Erinnerung.

In Frederikshavn legt das Schiff pünktlich an. Wir fahren noch kurz zum Tanken, bevor wir die letzten 620 km in Angriff nehmen
Gegen 1 Uhr morgens rollen wir auf den Hof. Wir sind zuhause. Die Fahrt mit dem Wohnwagen zum Nordkapp und zurück hat ihr Ende gefunden.

Ende des fünften Teils – ein Fazit

Auch der Aufenthalt am Mjøsasee hat uns gut gefallen. Etwas abseits gelegen und deshalb auch von größeren Touristenströmen verschont, spürt man, dass hier die Norweger mehr unter sich sind. Der Campingplatz und sein Badestrand waren Anlaufstelle für Familien am sonnigen Wochenende, zum Baden und Angeln.
Eine schöne Gegend, um einen Urlaub mit vielen Eindrücken langsam ausklingen zu lassen.

Gefahrene Kilometer: 1325 km (bis nach Hause)

Treibstoffkosten: 237 Euro

Durchschnittsverbrauch: 11,9 ltr

Campingplätze: Evjua Strandpark (Skreia); Kongelfs Gästgifveri & Citycamping (Kungälv, Schweden)

durchschnittlicher Übernachtungspreis: 32,10 Euro/N/5Pers

Zum Abschluss

ergänze Kostendaten:

Mautkosten insgesamt: 84,11 Euro (Norwegen), 0.60 Euro (Schweden, Göteborg)

Fährkosten DK-SE: 456 Euro (+ 64 Euro Umbuchung)

Die Entscheidung, diese Fahrt mit dem Wohnwagen bis zum Nordkapp zu unternehmen, hat uns Mut gekostet. Noch nie vorher habe ich soviel gelesen, so viele Videos geschaut, um mich auf die Reise vorzubereiten. Diesem Abenteuer haben wir mit Spannung entgegengesehen. Im Rückblick war es nicht halb so schlimm, wie befürchtet. Insgesamt haben wir rund 7800 km zurückgelegt, davon über 7000 km mit dem Gespann.
Die Erlebnisse inmitten der gewaltigen Natur Skandinaviens haben uns überwältigt. Jeden Tag neue Eindrücke durch das Erleben wunderbarer Landschaften, die uns oft zum Staunen brachten. Mit der Zeit setzt wirklich eine Reizüberflutung ein. Wie gut, dass wir nicht in die Falle tappen, überall gewesen sein zu müssen. Es war wirklich Urlaub.
Nicht nach getaktetem Plan von Ziel zu Ziel fahren zu müssen, sondern die Freiheit zu genießen, selbst zu entscheiden, wann der Zeitpunkt zur Weiterfahrt kommt, bringt viel Gelassenheit. Keine Vorgaben zu haben, was wir unbedingt und überhaupt auf gar keinen Fall verpassen dürfen, auch davon haben wir uns befreit. Für uns spielte das Wetter die wesentliche Rolle. So ist es uns gelungen, meist dann zum nächsten Ziel unterwegs zu sein, wenn es regnete. Wir brauchten nie verdrießlich im Wohnwagen hocken und auf besseres Wetter hoffen.

Nach Mjelva am Romsdalfjord würde ich gerne noch einmal fahren und einige Dinge mehr tun:
– den Geirangerfjord mit dem Kanu entlang paddeln
– am Trollstigen wandern
– den Nesaksla besteigen
– die Fjordlandschaft in der Umgebung erkunden

Das eines Tages noch tun zu können, darüber würde ich mich freuen.

Für den, der den Anfang verpasst hat, ist hier der Link zum Start der Reise:
https://www.touring50states.de/die-reise-zum-nordkapp-mit-dem-caravan-1/

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