Mit dem Wohnwagen in der Provence

Nach langer Zeit sind wir im Herbst 2016 wieder mit unserem Wohnwagen auf Reisen. Nachdem wir auf unseren Fahrten nach Spanien ein sehr liebenswürdiges Frankreich kennengelernt haben, wollen wir am Mittelmeer ein paar sonnige Herbsttage am Meer genießen. Einer der wenigen Campingplätze, die bis zum Ende der deutschen Herbstferien geöffnet haben, ist Camping Leï Suves in Roquebrune sur Argens, nicht weit von Fréjus entfernt.

Nach unserem Aufenthalt in Würzburg geht es los Richtung Frankreich. Einen letzten Zwischenstopp legen wir in Neuenburg am Rhein ein.

Stellplatz beimDrei-Länder Camping in Neuenburg am Rhein
Drei-Länder Camping in Neuenburg am Rhein

Das Gespann lassen wir über Nacht angekoppelt, damit es am nächsten Morgen gleich weitergehen kann.

Die Fahrt nach Frankreich wird etwas anstrengend. Ein Reifen macht schlapp und wir müssen oft anhalten, um den Reifendruck am Wohnwagen zu überprüfen. Irgendwo auf der Fahrt habe ich einen Bordstein mitgenommen. Die Felge hat eine mächtige Delle.

Letztendlich hält der Reifen aber und wir kommen gerade noch rechtzeitig an. Die Rezeption ist extra für uns noch geöffnet und wir huschen mit unserem Gespann schnell durchs Tor. Sonst hätten wir für eine Nacht draußen auf dem Ausweichplatz stehenbleiben müssen. So können wir uns einen schönen Platz aussuchen und schon beginnen, uns einzurichten.

Der Caravan-Stellplatz unter Pinienbäumen in der Nähe vom Swimmingpool
Unser Caravan-Stellplatz unter Pinienbäumen

Am nächsten Tag begrüßt uns die Sonne sehr freundlich. Das Vorzelt wird aufgebaut und unser mobiles Zuhause für die nächsten Tage eingerichtet. Am Abend leuchtet der Pool, der direkt gegenüber unserem Stellplatz liegt. So haben wir uns den Urlaub vorgestellt.

Camping Leï Suves - der Pool nach Sonnenuntergang
Camping Leï Suves – der Pool nach Sonnenuntergang

Natürlich wollen wir unsere Zeit nicht nur auf dem Campingplatz verbringen, sondern unsere Umgebung erkunden. Uns zieht es zunächst ans ans Meer, also ab an den Strand von Fréjus. Wir können nicht sagen, dass uns die Umgebung so gut gefällt wie in Katalonien, aber die Sonne scheint und das Meer ist auch hier blau. Also wird nicht gemeckert, sondern genossen.

Am Strand von Fréjus mit Blick in die Bucht
Am Strand von Fréjus

Die alten Stadtzentren sind, so entdecken wir, wirklich sehr schön. Alte Gemäuer, historische Plätze, immer ein Café in der Nähe und voller Lebendigkeit. Sonntags suchen wir uns die Gelegenheit für ein französisches Mittagessen und landen wieder in Fréjus. Die Altstadt ist etwas vom Meer entfernt und wunderhübsch anzusehen.

Im Stadtzentrum von Fréjus
Im Stadtzentrum von Fréjus

Heute ist es etwas kühl und der Himmel bedeckt. Wir bummeln zunächst etwas durch die Straßen, entdecken nette Geschäfte und hübsche Plätze und Gassen mit mediterranem Altstadtflair im völligen Gegensatz zu den viel befahrenen Zubringerstraßen und den umliegenden Gewerbegebieten, die wir auch durchfahren müssen, wenn wir an den Strand wollen.

Chocolaterie Le Comptoir de Mathilde in Fréjus
Chocolaterie Le Comptoir de Mathilde

Aber hier gibt es ja noch vieles mehr zu entdecken. Vor allem wollen wir doch auch in Frankreich die Wochenmärkte und Markthallen erkunden. Auch auf die Suche nach Ölmühlen wollen wir gehen, um die ein oder andere Flasche Olivenöl einzukaufen. Auch so lernen wir die Gegend kennen.

Märkte und Hofläden

Wie schon so oft berichtet, lieben wir Märkte und Hofläden. So machen wir uns auch hier in der Provence auf die Suche und wir werden schnell fündig.

Zunächst besuchen wir eine Ölmühle in Roquebrune sur Argens: die Domaine de l´Olivette. Dort gibt es nicht nur ausgezeichnetes Olivenöl, sondern auch andere Produkte aus Oliven, z.B. ganz leckere Pasten in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.

Hofladen der Domaine de l´Olivette in Roquebrune sur Argens
Hofladen der Domaine de l´Olivette

Wir werden dort sehr freundlich empfangen und dürfen auch unterschiedliche Produkte probieren. So kaufen wir erstmal für den Urlaub ein und kommen später noch ein zweites Mal für die Dinge, die wir mit nach Hause nehmen wollen.
Ganz empfehlenswert ist auch das nur wenige Kilometer weiter entfernte Grand Bastide. In diesem Laden gibt es ein großes Angebot an regionalen Produkten, vom frisch geernteten Obst und Gemüse über Salami bis zum Biowein. Auch hier kaufen wir des öfteren ein, viel lieber als im Supermarkt.

Und dann machen wir uns auf den Weg nach Saint Tropez. Nicht wegen der Schickeria, sondern weil Markttag ist. Auf dem Weg dorthin liegt am Eingang des Golfs von Saint-Tropez Sainte-Maxime. Dort gibt es eine kleine Markthalle, den Marché Couvert.

Marché Couvert in der Altstadt von Saint-Maxime
Marché Couvert in Saint-Maxime

Rundherum sind an diesem Tag noch einige andere Marktstände aufgebaut und wir schlendern gemütlich durch das kleine, alte Städtchen, bevor wir weiterfahren.

In Saint-Tropez bekommen wir mit Müh und Not einen Platz im Parkhaus. Der große Parkplatz an der Marina ist blockiert für eine Großveranstaltung: standesgemäßes Porsche-Treffen. Nach geduldigem Warten vor der Einfahrt zum Parkhaus öffnet sich schließlich auch für uns die Schranke und wir erkunden Saint-Tropez zu Fuß.
Zunächst zieht es uns auf den Place des Lices. Dort findet der Wochenmarkt statt, der in seiner Vielfältigkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

Wochenmarkt auf dem Place des Lices in der Altstadt von Saint-Tropez
Wochenmarkt auf dem Place des Lices

Unter dem Schatten der Bäume bieten Händler alles mögliche an. Wir stöbern und genießen das bunte Treiben. Im Anschluss wandern wir noch durch die Gassen der Altstadt.
Mit den Kindern steige ich hinauf zur alten Zitadelle. Interessant ist, dass die Zitadelle während des ersten Weltkriegs als Internierungslager für deutsche Kriegsgefangene diente. Von hier oben bietet sich ein imposanter Blick über die Stadt und den Golf.

Blick von der Zitadelle über Saint-Tropez und den Golf
Blick von der Zitadelle über Saint-Tropez

Unsere Liste der Wochenmärkte ist noch nicht abhakt. Der nächste Markt findet in Lorgues statt, etwa 45 Minuten von unserem Campingplatz entfernt.

Wochenmarkt im Stadtzentrum von Lorgues in der Provence
Wochenmarkt in Lorgues, Provence

Und wieder überrascht uns das bunte Treiben. So viele Menschen, die auf dem Markt einkaufen, ihn aber auch als soziales Ereignis nehmen. So würde ich gerne einen Markttag zuhause erleben!

Duftende Gewürze an einem Marktstand in Lorgues
Gewürzstand auf dem Markt

Überall duftet es und die Angebote sind überwältigend. Oft bleiben wir stehen, manchmal fragen wir bei Produkten nach und versuchen eine Unterhaltung. Die Menschen sind so freundlich! Irgendwie bekommen wir immer die Informationen, die wir brauchen.

Ausflüge

Natürlich sind wir nicht nur auf Märkten unterwegs. Wir erkunden auch unsere nähere und weitere Umgebung. Den Ausflug nach Saint-Tropez habe ich bereits beschrieben.

Einen Tag wollen wir eine Straße entlang der Verdonschlucht (Gorges du Verdon), einer der größten Canyons in Europa, fahren. Leider müssen wir in Aiguines, einem hübschen, ursprünglichen Bergdorf, erfahren, dass die Straße wegen Bauarbeiten gesperrt ist.

Aiguines - ein Bergdorf oberhalb des Stausees Lac de Sainte-Croix
Aiguines – ein Bergdorf oberhalb des Lac de Sainte-Croix

Die Alternative ist uns zu weit, weil es auch schon recht spät ist. Die nette Dame in der Touristeninformation empfiehlt uns anstatt dessen nach Moustiers-Sainte-Marie zu fahren. Vorher machen wir noch einen kurzen Rundgang und genießen dabei den herrlichen Blick hinunter auf den Lac du Sainte-Croix, der den Verdon aufstaut.
Weil wir schließlich in der Provence sind, ist Lavendel ein großes Thema. In einem kleinen Lädchen kaufen wir eine Tüte mit Lavendelblüten gewürzte Kekse. Interessanter Geschmack beim Knabbern, aber nichts für zuhause. Die Erfahrung lehrt uns, viele Produkte schmecken dort am besten, wo sie herkommen.

Blick von Aiguines auf den Lac de Sainte-Croix
Blick auf den Lac de Sainte-Croix

Dann fahren wir die Straße hinunter zum See, um nach Moustiers-Sainte-Marie zu gelangen. Unten angekommen, führt eine Brücke unmittelbar am Ausgang der Schlucht über den Fluss und eröffnet einen faszinierenden Blick hinein. Wir sehen Tretboote in die Schlucht fahren und machen auf der anderen Seite der Brücke den Bootsverleih aus.

Ein Blick in den Ausgang der Verdonschlucht in den Lac de Sainte-Marie
Der Ausgang der Verdonschlucht in den Lac de Sainte-Marie


Ganz spontan entscheiden wir uns, für eine Stunde ebenfalls ein Tretboot zu mieten und die Schlucht von innen zu erleben. Es lohnt sich! Wir würden uns nur mehr Sonne wünschen. Bei bedecktem Himmel ist es ziemlich dunkel da drinnen.
Ja, und dann geht es weiter nach Moustiers. Auf irgendeiner Internetseite habe ich herausgefunden, dass dieses Dorf, eng an den Berg gebaut, zu den schönsten Dörfern in Frankreich zählt. Und das stimmt auch irgendwie. Eine herrliche Lage, wunderschön erhalten, aber auch eine Spur zu sauber. Es fehlt mir ein bisschen die Authentizität, so, wie ich sie auch im mittelalterlichen Pals in Katalonien vermisse.

Das Bergdorf Moustiers-Sainte-Marie in der Provence
Das Bergdorf Moustiers-Sainte-Marie

Die Geschäfte reihen sich unauffällig, aber konsequent in den alten Gemäuern aneinander und bieten, was der Touristenstrom verlangt. Wir sind froh, erstens schon spät am Tag hier zu sein, aber zweitens auch, dass es Nebensaison ist. Es ist angenehm ruhig. Wir genehmigen uns noch einen Kaffee und Crepes, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Zum Schluss darf natürlich nicht der letzte Blick aufs Mittelmeer fehlen. Wir fahren auf der Küstenstraße in Richtung Cannes am Mittelmeer entlang und genießen die Sonne und das Meer. In Agay halten wir für das Mittagessen an und landen unerwarteter Weise in einem Restaurant im amerikanischen 50er-Jahre Stil. Es heißt auch noch “Happy Days”. Wir sitzen oben auf der Terrasse, freuen uns über den herrlichen Blick aufs Meer und schließen ab mit einem Café Gourmet.

Auf der D 559 am Mittelmeer entlang in Richtung Cannes
Agay – auf der D 559 am Mittelmeer entlang

Ein Gedanke zu „Mit dem Wohnwagen in der Provence

Schreibe einen Kommentar