Vesterålen und Lofoten – mit dem Caravan unterwegs (3)

Auf der Fahrt zurück, immer noch rund 300 km nördlich des Polarkreises, pausieren wir und bleiben mehrere Tage auf Andøya, Vesterålen und Austvågøya, Lofoten.

Wir bringen unseren Wohnwagen zunächst auf dem Campingplatz Kvalnesbrygga an der Ostküste von Andøya in Stellung und machen uns anschließend auf nach Andenes, um einen kleinen Überblick zu gewinnen und unsere Einkäufe zu erledigen. Zurück auf dem Platz machen wir unsere Angeln einsatzbereit, um vielleicht mal einen Fisch zu fangen.

Meeresforellen, gefangen auf Vesterålen
Angel rein – und Biss!

Und siehe da! Kaum werfe ich die Angel und ziehe zurück, da zappelt es schon am Haken! So schnell habe ich bisher keinen Fisch gefangen! Auch die Kinder haben Anglerglück und wenn die Fische auch nicht besonders groß sind, freuen wir uns gemeinsam über den Erfolg. Nur Papa muss dann anschließend die Fische ausnehmen und für den Grill vorbereiten.

Rundfahrt über Andøya

Andøya - in der Nähe von Risøyhamn
Andøya – in der Nähe von Risøyhamn an der Fv974

Am nächsten Tag ist es immer noch bewölkt und sehr kühl. Nur ab und an zeigt sich ein Hauch von Sonnenstrahlen. Auf mehr als 10 Grad Celsius will das Thermometer heute nicht steigen. Wir machen eine Rundfahrt über die Insel, um einen kleinen Eindruck von Vesterålen zu gewinnen.

Die Route führt uns zunächst südwärts bis kurz vor Risøyhamn, wo wir rechts auf die Fv974 abbiegen. Unser erster Halt ist eine topmoderne Rastanlage, die auch architektonisch ein Hingucker ist und wir in diesem Landstrich auch nicht so erwarten würden. Wir sind an der Bukkekjerka, einem alten samischen Opferplatz auf der Landzunge Børhella, die von der neuen Fv 974 geteilt wird. Ein schöner Ort, an dem man sich ruhig länger aufhalten kann.

Bukkekjerka - ein alter samischer Opferplatz an der See
Bukkekjerka – die Felsformation an der Westküste von Andøya

Ein kurzer Weg führt zu den Leuchtfeuern auf dem Holm.

Anschließend fahren wir weiter an der Küste entlang und entdecken weitere Aussichtspunkte, die etwas der Schönheit der Insel offenbaren.

Die Insel Andøya
Ein Ausblick über Andøya während unserer Rundfahrt auf der Fv974

Fast am Ende unserer Tour kommen wir nach Bleik. Mitten im Ort fahren wir an einem kleinen Lebensmittelladen vorbei und sehen im letzten Augenblick, dass direkt daneben ein kleines Café ist. Zurückgesetzt, geparkt und hinein!

Bleik Landsbyservice
Café und Tante Emma Laden

In gemütlicher Atmosphäre gönnen wir uns einen kleinen Snack und ich mir noch einen Kaffee dazu, bevor wir weiter nach Andenes fahren. Dort gehen wir noch in ein Geschäft, das günstiges Angelzubehör hat. Der ein oder andere Blinker geht halt doch verloren.

Abends lege ich unsere selbst gefangenen Fische auf den Grill. Dazu gibt es Bratkartoffeln. Da die Temperaturen zu ungemütlich sind, um draußen zu sitzen, nutzen wir die warme Küche des Campingplatzes. Das ist eine absolut sinnvolle Einrichtung, die auf den norwegischen Campingplätzen überall zu finden ist. Und solche Erlebnisse und Erfahrungen lieben wir. Das kann kein Pauschalurlaub bieten.

Auf die Lofoten-Inseln

Laut Wikipedia ist Lofoten eine Region und nur wir Deutschen machen die Inselgruppe zur Mehrzahl. Lofoten-Inseln ist auch noch richtig. Also: wir fahren nach Lofoten!

Heute erleben wir den richtigen Wetterumschwung: die Sonne scheint und es wird angenehm warm. Vor uns liegen gerade mal 200 km. Aus verschiedenen Blogs weiß ich, dass in touristisch gut besuchten Gegenden frühzeitiges Erscheinen den besten oder überhaupt einen Platz sichert. Die Campingplätze auf Lofoten gehören sicherlich zu dieser Kategorie, daher ist diese Entfernung genau richtig, um nicht zu spät auf den Campingplatz zu kommen.

Ich habe mich auf Grund der Bewertungen für Sandvika Camping bei Kabelvåg entschieden. Unmittelbar davor liegt noch ein anderer Platz in ähnlicher Lage. Man muss also aufpassen, nicht zu früh an die Rezeption heranzufahren. Links dran vorbei, noch mit kräftigem Druck aufs Gaspedal über den Hügel, dann erst kommt Sandvika Camping!

Sandvika Camping in der Nähe von Kabelvåg
Sankvika Camping – in einer schönen Bucht gelegen

Wir kommen wie geplant mittags an und sind wahrlich nicht die ersten! Mit großem Erstaunen sehen wir, dass sich auch die uns als zurückhaltend und geduldig beschriebenen Norweger am “Kampf” um die Plätze energisch beteiligen. Wir haben Glück und finden kurz darauf einen Platz, der uns gut gefällt. Wir machen uns richtig breit, bauen das Vorzelt auf und richten uns ein.

Wir werden später tatsächlich noch erleben, wie WoMo-Reisende und Gespann-Fahrer unverrichteter Dinge umdrehen, weil sie hoffen, irgendwo anders noch einen schöneren Platz für die Nacht zu finden. Hier wird es bis zum Nachmittag voll!

Lust zum Kochen haben wir keine. Im Nordlandblog gelesen und für einen Versuch ausgeguckt haben wir uns Peppes Pizza, weil es die in Svolvær gibt. Leider gibt es dort kein Buffett, so müssen wir die Karte bemühen. Und ja, bei den Preisen kann einem schon beim Lesen schwindelig werden. Um die 150 Kronen eine normale, ab 250 Kronen für eine große Pizza, da muss man sich erst dran gewöhnen. Wir bestellen zwei große (stor) Pizzen, die jeweils für zwei bis drei Personen reichen sollen. Und ja, das tun sie! Zwei Wagenrad-Pizza werden uns an den Tisch gebracht und es bleibt zum Schluss sogar noch etwas übrig. Und lecker ist sie auch!

Kanu fahren – paddeln in den Gewässern der Hurtigruten

Extra für diesen Urlaub legen wir uns vorher noch ein leistungsfähiges Schlauchkajak zu. Das fahren wir zuhause noch Probe und hier nun ist die Gelegenheit, es intensiv zu nutzen.

Buchten entlang der Küste nach Kabelvåg
Das Kanurevier in Richtung Kabelvåg

Von den Felsen an unserem Campingplatz habe ich einen guten Überblick über mein Revier. Zunächst wage ich mich zum Eingewöhnen in die kleine Bucht, an der die beiden Campingplätze liegen. Und selbst das ist ein wunderbarer Moment, die Felsenketten der Lofoten vor Augen, die die berühmte, bizarre Landschaft bestimmen.

Kanufahrt in den Gewässern vonLofoten
Kanufahrt in den Gewässern von Lofoten

Mit der Umgebung nun etwas vertrauter fahre ich am zweiten Tag auch weiter hinaus bis in die Fahrgewässer der Hurtigruten, deren Schiffe dicht an unserem Platz vorbeiziehen. Wir beobachten sie vom Felsen aus, den wir bei diesem herrlichen Wetter des öfteren erklettern, um die Aussicht zu genießen.

Die Fähre der Hurtigruten vor der Küste von Kabelvåg, Lofoten
Das Hurtigrutenschiff zieht dicht an uns vorbei

Ausflug nach Henningsvær

Der Wetterbericht verheißt ein Ende des schönen Wetters. Einen Tag haben wir noch, bevor das nächste Regengebiet über den Lofoten-Archipel hinwegziehen wird. Diesen letzten Tag nutzen wir noch für einen Ausflug.

Und, ja, es ist wirklich nur ein kleiner Teil der Lofoteninseln, den wir kennenlernen. Wir sind jedoch überhaupt nicht motiviert, uns in die lange Schlange der Camper einzureihen, die sich über die einzige durchgehende Straße von Insel zu Insel quälen. Und wir fühlen uns bestätigt, als wir nach unserer Rundtour entlang der Küste von Gimsøy nach Henningsvær abbiegen, das sich laut einiger Reiseführer nicht hinter Reine verstecken muss. Entscheidender Vorteil für uns: es liegt ja fast vor unserer Haus-, bzw. Campertür.

Es ist ein nebeliger Tag. Besonders an der Westküste sehen wir nicht viel, weil die Sonne keine Kraft hat, die dicke feuchte Schicht zu durchdringen. Daher bleibt es auch ziemlich kühl.

Gimsøytraumen - Brücke zur Insel Gimsœy
Gimsøytraumen – Brücke zur Insel Gimsøy

Erst auf der Rückfahrt auf den dem Landesinnern zugewandten Seite klart der Himmel etwas auf. Die Brücke Gimsøytraumen ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie elegant die E10 die einzelnen Inseln miteinander verbindet.

Henningsvær, ein Fischerdorf auf Lofoten
Henningsvær, ein Fischerdorf in pittoresker Landschaft

Und schließlich biegen wir auf die Fv816 ab, um nach Henningsvær zu kommen. Die Straße ist eng und die Ausweichbuchten werden rege genutzt. Daher ziehen sich die wenigen Kilometer in die Länge. Der Parkplatz im Ort ist glücklicherweise nicht ganz voll, wir können also bequem anhalten, um (mit vielen anderen) durch das kleine Dorf zu spazieren.

Hier genießen wir an einem sonnig gelegenen Stand Kaffee und heiße Waffeln mit Sahne. Zur Erinnerung: 300 km nördlich des Polarkreises. Urlaubsgefühl pur!

Ein Stückchen weiter treffen wir auf einen winzigen Verkaufsstand einer deutschen Bäckerei aus Kabelvåg. Die Dinkelseelen sind ein Gedicht!

Häuseransicht von Henningsvær vor den Felsen der Lofoten
Henningsvær vor prächtiger Bergkulisse

Damit neigt sich unser Aufenthalt auf den Lofoten-Inseln dem Ende zu und der Tag verabschiedet sich mit angenehmen Temperaturen und nur leicht bewölktem Himmel. Am nächsten Tag geht es weiter Richtung in Süden. Das hervorragende Wetter war ausschlaggebend dafür, dass wir so lange dort bleiben. Eile haben wir nicht. Nun ist aber Regen angekündigt. Bevor wir später nasse Sachen einpacken müssen, bereiten wir lieber die Abfahrt vor.

Das nächste Ziel ist Åndalsnes am Romsdalfjord. Ich möchte gern den Geirangerfjord und Trollstigen sehen. Die Strecke dort hin verspricht eine leichte Fahrt und auch die Wetterprognose löst Freude aus. Es ist wieder sonniges Wetter angekündigt. Bis dahin sind es allerdings noch mehr als 1200 km.

Ende des dritten Teils – das Fazit

Die bizarre Kulisse der Felsen, an die sich am Meer die kleinen Dörfer und Städte schmiegen, hat bestimmt einen großen Anteil an der Anziehungskraft dieser Inselkette. Die E10 ist die einzige durchgängige Straßenverbindung und im Sommer entsprechend durch starken Verkehr belastet. Ich empfinde das Fahren dort als unspaßig. Einen Ausflug nach Reine ersparen wir uns deshalb, auch wenn wir dadurch einiges verpassen. Erholung geht uns vor.

Der landschaftliche Unterschied zwischen Vesterålen und Lofoten ist beträchtlich. Während Vesterälen gefühlt eher langweilig daher kommt und längst nicht so touristisch geprägt ist, sind die Lofoteninseln schon etwas fürs Auge, aber an vielen Orten zur Hochsaison überlaufen.

Gefahrene Kilometer bis Kabelvåg: 198

Treibstoffkosten: 61 Euro

Durchschnittsverbrauch: 10,6 Liter

Campingplätze: Kvalnesbrygga Camping (Dversberg, Andøya, Vesterålen), Sandvika Camping, (Kabelvåg, Austvågøya, Lofoten)

durchschnittlicher Übernachtungspreis: 34,30 Euro/N/5Pers

Fortsetzung: “Am Ende des Romsdalen – mit dem Caravan unterwegs (4)”

2 Gedanken zu „Vesterålen und Lofoten – mit dem Caravan unterwegs (3)

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