Vom Nordkapp nach Vesterålen und Lofoten – mit dem Caravan (2)

Eine Reise, die viele Menschen glauben, einmal in ihrem Leben machen zu müssen: zum Nordkapp. Wir gehören jetzt zu denen, die es getan haben. Am nördlichsten Punkt Europas zu sein und auf das arktische Meer hinauszuschauen, das bleibt in Erinnerung. Der Weg zurück führt uns durch Norwegen. Nächstes Ziel: die Lofoten-Inseln.

Abendsonne am Nordkapp vor dem Globus
Der Globus – das Monument in der Abendsonne

Noch einen Tag auf Magerøya

Wir haben bisher viel Glück auf unserer Reise. Es regnet wenig und wenn, dann meistens, wenn wir mit dem Auto unterwegs sind. Der Wetterbericht für das Nordkapp hat allerdings auch am zweiten Tag recht: es ist grau, weiterhin bei 8 Grad, manchmal Nieselregen. Nur in der Ferne lugt ab und an zaghaft ein Stück blauer Himmel hervor. Aber einfach nur zum Nordkapp fahren und gleich wieder umkehren, das ist uns von vorn herein zu wenig.

Wir haben noch einen Tag und erkunden die Insel.

Blick auf Skarsvåg, Magerøya
Auf dem Weg zum Kirkeporten – Blick auf Skarsvåg

Zunächst suchen wir uns eine relativ leiche Wanderung aus: zum Kirkeporten bei Skarsvåg. Es nieselt leicht, aber davon lassen wir uns nicht abhalten.

Kirkeporten - das Kirchenportal in Skarsvåg, mit Blick auf das Horn vom Nordkapp
Kirkeporten – “Kirchenportal” am Mefjord mit Blick auf das Horn vom Nordkapp

Der Weg ist stellenweise steil und etwas rutschig durch die Feuchtigkeit, es heißt aufpassen. Eine richtige Herausforderung ist es aber nicht, den Felsen zu erreichen, durch dessen Bogen man bei gutem Wetter das Nordkapp und die Mitternachtssonne sehen kann.

Jul & Vinterhus in Skarsvåg
Jul & Vinterhus in Skarsvåg – warme, leckere Waffeln und Kaffee

Der Rundweg ist schön und familientauglich. Bei gutem Wetter wird der Blick über den Mefjord zum Nordkapp noch viel schöner sein. Aber uns gefällt die Tour auch so gut. Und weil es eben recht kühl und noch etwas feucht ist, kehren wir anschließend im Jul & Vinterhus in Skarsvåg ein. Wir teilen uns frische heiße Waffeln mit Sahne und Früchten, Kaffee und aus Interesse eine Fischsuppe in heimeliger Atmosphäre.

Der Hafen von Gjesvær
Der Hafen von Gjesvær

Auf Grund des Wetters fahren wir nicht noch einmal zum Nordkapp. Es wird sich nicht lohnen, denn die Wolken hängen immer noch tief. Anstattdessen biegen wir ab und fahren nach Gjesvær. Laut Wikipedia leben hier noch ungefähr 130 Menschen. So still und einsam wirkt das Örtchen auch, das malerisch umgeben von einer Inselgruppe in einer Bucht liegt. Ein paar Kilometer bevor wir ganz nach unten in den Ort fahren, stoppe ich in einer Parkbucht, denn dort haben wir einen schönen Überblick über das Dorf und seine Umgebung. Wir drehen dann eine kurze Runde, bevor wir den Rückweg antreten.

Am späten Nachmittag schnüren wir zum zweiten Mal die Wanderschuhe und ich mache mich mit unseren Kindern auf, den Berg an unserem Campingplatz zu erklettern. Das ist überhaupt nicht schwierig, wie ich überrascht feststelle. Und diese Insel hat mehr zu bieten als Fels und Gras. Ich entdecke die wunderhübsche Flora der Insel, die sich dem nicht erschließt, der nur mit dem Auto schnell zum Nordkapp fährt. Wer Zeit investiert, wird mehr Schönheiten der subpolaren Welt entdecken.

Die Blüte des arktischen Mohn auf Magerøya
Arktischer Mohn (Papaver radicatum) auf Magerøya
Gegenblättriger Steinbrech (Saxifraga oppositifolia) auf Magerøya
Der gegenblättrige Steinbrech (Saxifraga oppositifolia) blüht auf Magerøya

Auf dem Rückweg erwischen wir auch noch eine Rentierherde. Ganz leise und langsam können wir uns einigen Jungtieren nähern, die uns misstrauisch beäugen.

Rentiere während einer Wanderung auf Magerøya
Rentiere ganz nah!

Wir verharren einen Moment und können die Rentiere so nah wie sonst nur aus dem Auto erleben. Ein tolles Erlebnis, besonders für die Kinder!

Nächstes Ziel: Vesterålen und Lofoten

Es bleibt ziemlich kühl und der Himmel wolkenverhangen. Nur ab und an ist ein Fleckchen blau zu erkennen. Die wenigen Sachen draußen sind schnell verpackt und nach dem Frühstück brechen wir auf. Wir gehören jetzt zum Club der Unzähligen, die das Nordkapp gesehen haben. Mit dem Privileg eines sonnigen Tages. Es geht heute weiter – oder besser: langsam zurück.

Als nächstes stehen die Lofoten auf unserem Wunschzettel. Da wir soweit oben im Norden sind, können wir doch auf dem Rückweg dort locker vorbei fahren, oder? Und weil viele Reisende immer nur von den Lofoten sprechen und die dazugehörige Inselgruppe der Vesterålen schlichtweg ignorieren, fahren wir dort zuerst hin.

Tag 11: Honningsvåg – Sekkemo (320 km)

Noch einmal geht es auf der E69 entlang des Porsangerfjord, bis wir in Olderfjord wieder auf die E6 stoßen. Nun biegen wir nach rechts ab Richtung Alta.

Blick über den Altafjord an der E6
Blick über den Altafjord bei Talvik

Trotz des wolkenverhangenen Himmels halten wir hinter Talvik auf einem großen Parkplatz an, um die Aussicht über den Altafjord zu genießen, an dem entlang uns die E6 führt.

Und dann sehen wir an einigen größeren Parkplätzen immer wieder Verkaufsstände der Sami. Den ein oder anderen steuern wir an, um durch die Angebote zu stöbern. Ein Fell nehmen wir nicht mit, wohl aber ein paar warme Socken im typischen Norwegermuster.

Ein Verkaufsstand der Sami an der E6
Socken im Norwegerstil – hier günstig zu haben

Unser Plan, auf dem Arctic Fjordcamp am Kvænangen zu übernachten, wird durchkreuzt. Als wir ankommen, erklärt uns der Besitzer, dass der Platz zur Zeit geschlossen ist, weil es keine Wasserversorgung gibt. Wir müssen also noch einige Kilometer weiter fahren.

In Sekkemo finden wir den nächsten Campingplatz. Klein und einfach, aber er wird unseren Bedürfnissen für eine Nacht völlig gerecht. Die zweite Investition kommt hier das erste Mal zum Einsatz: die noch kurz vor Beginn unserer Fahrt angefertigte Kabelverlängerung für die Stromversorgung. Es sieht so aus, als würde der Platz umgebaut werden. Der Anschluss kommt jedenfalls sehr verwegen aus der Erde.

Sekkemo Camping am Kvænangenfjord
Oberhalb von Sekkemo Camping mit Blick auf den Kvænangenfjord

Und auch hier ist der Blick über den Kvænangenfjord wirklich schön.

Tag 12: Sekkemo – Lapphaugen (332 km)

Wir fahren weiter. Die E6 schlängelt sich entlang der großartigen Fjordlandschaften und offenbart immer wieder tolle Panoramablicke.

Blick über den Straumfjord
Ein kurzer Halt für den Blick über den Straumfjord

Nach langer Fahrt entlang des Lyngenfjord geht es hinein in die gebirgige Landschaft im Inneren des Landes. In Bardufoss halten wir kurz, um bei LPG Norge unsere Gasflaschen aufzufüllen. In den letzten Tagen brauchten wir die Heizung und ich habe die Sorge, dass zu einem unglücklichen Zeitpunkt die Gasflaschen leer sein könnten. Die Informationen darüber, wie das Ganze mit dem Auffüllen in Norwegen funktioniert, hatte ich schon vorher aus dem Internet besorgt und so wird es eine kurze, einfache und freundliche Angelegenheit, die uns rund 220 Kronen kostet. Jetzt kommen wir für den Rest des Urlaubs mit unserem Gas hin.

Unser Ziel für heute ist die Turiststasjon Lapphaugen. Dazu klettern wir zum Schluss noch einen Pass hinauf, an dem auf etwa 480 m Höhe der Campingplatz liegt.

Campingplatz Turiststasjon Lapphaugen
Camping an der Turiststasjon Lapphaugen

Wir suchen uns einen schönen Platz und gehen in den gut besuchten Gasthof der Turiststasjon. Schön warm ist es hier! Das Essen ist sehr gut und für norwegische Verhältnisse sogar recht günstig.

Das Rauschen eines Wasserfalls macht mir Lust, nochmal die Wanderschuhe anzuziehen und loszuziehen. Ich nehme unsere Jungs mit und wir suchen uns einen Weg durch den Wald.

Im Wald bei Lapphaugen
Wandern durch den Wald an der Lapphaugen Turiststasjon

Das ist es, was ich hier in Norwegen so sehr schätze. Kaum vor der Tür, öffnet sich gleich ein Weg in die Natur. Stundenlang kann ich wandern, ohne Menschen zu begegnen.

Unterhalb des Campingplatzes ist ein Denkmal installiert. Wir bewegen uns hier auf geschichtsträchtigem Boden.

Spanselva-Tal bei Lapphaugen
Der Kampf um Narvik auch hier im Tal des Spanselva

Auf dem Weg zum Wasserfall blicken wir ins Tal, in dem die norwegische Armee im zweiten Weltkrieg gegen die deutsche Wehrmacht kämpfte. Sie konnte im Kampf um Narvik die deutsche Armee hier aufhalten und später mit Hilfe alliierter Kräfte Narvik zunächst zurückerobern. Eine spannende Geschichte, in der der norwegische General Carl Gustav Fleischer eine wichtige Rolle spielt! Nicht umsonst ist dieser Teil der E6 “General Fleischer Vei” benannt.

Tag 13: Lapphaugen – Kvalnes (Vesterålen) (260 km)

Es ist noch nicht viel wärmer geworden in den letzten Tagen, aber das Wetter bessert sich zusehends. Sehr hoffnungsvoll blicken wir auf unseren Aufenthalt auf Lofoten, die Prognosen sind sehr gut!

Nun, alle Welt fährt auf die Lofoten-Inseln. Vesterålen? Das ist die eigentlich dazu gehörige Inselgruppe im nördlichen Teil und touristisch weit weniger erschlossen. Zumindest Andenes ist weithin bekannt, denn hier gibt es Walsafaris mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, auch Wale anzutreffen. Wir brauchen das nicht mehr. Walsafaris haben wir an den Küsten der U.S.A schon mitgemacht und hier in Norwegen kostet es eine astronomische Summe für eine fünf-köpfige Familie. Wir wollen aber dieser Landschaft gerne Beachtung schenken und entschließen uns, hier einen ganzen Tag zu verbringen.

Sobald wir nach Bjerkvik am Ofotfjord auf die E10 stoßen, nimmt auch schlagartig der Verkehr zu. Lkw, Wohnmobile und, ja, mit vielen anderen Wohnwagengespannen auch wir, bewegen sich auf die Lofoteninseln zu. Dann aber verlassen wir die E10 und biegen ab auf die Rv85 Richtung Andenes.

Etwa 22 km vor Andenes liegt der kleine Campingplatz Kvalnesbrygga auf der Ostseite der Insel Andøya. Nicht mehr als 10 Stellplätze, mit direktem Blick auf das Wasser.

Campingplatz Kvalnesbrygga auf Andøya
Camping direkt am Wasser – Kvalnesbrygga, Dverberg auf Andøya

Heute sind wir die Einzigen, die ankommen, aber das wird sich ändern. Trotzdem ist der Campingplatz von einer wohltuenden Ruhe, mit blitzsauberen, modernen Sanitäranlagen und mit herrlichem Blick über das Meer. Über den Aufenthalt in Vesterålen und Lofoten berichte ich der Übersichtlichkeit halber im nächsten Kapitel.

Ende des zweiten Teils – das Fazit

Inzwischen habe ich mich an Norwegen und den Fahrstil hier gewöhnt. Wir erleben zum Teil haarsträubende Überholmanöver der Norweger! Mobile Radarüberwachung haben wir seit dem Nordkapp nicht mehr gesehen.

Die E6 erleben wir als eine naturnahe, so weit im Norden recht wenig befahrene Fernstraße, an der entlang sich immer wieder wunderbare Panoramablicke eröffnen und uns die Vielfalt der norwegischen Landschaft begeistert.

In einigen Abschnitten ist die E6 sehr gut ausgebaut (aber nicht zu vergleichen mit einer Autobahn), an anderen Stellen wiederum so eng und kurvig wie eine ältere Landstraße. Über lange Strecken wird sie neu ausgebaut, an anderen ist sie noch in erbärmlichen Zustand und ist eine Herausforderung für Fahrer und Gespann.

Gefahrene Kilometer bis Vesterålen: 912

Treibstoffkosten: 307 Euro

Durchschnittsverbrauch: 11,4 Liter

Campingplätze: Nordkapp Camping (Skipsfjord, Honningsvåg), Sekkemo Camping (Kvænangen), Lapphaugen Turiststasjon (Tennevoll), Kvalnesbrygga Camping (Dversberg, Andøya)

durchschnittlicher Übernachtungspreis: 33,60 Euro/N/5Pers

Fortsetzung folgt: “Vesterålen und Lofoten – mit dem Caravan unterwegs (3)”

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